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Tag Archives: Lyrik

Zeit

Meine Zeit

Deine Zeit

 

Wie viel Zeit von mir

wurde eigentlich

zu Zeit von dir?

 

Das habe ich mich gerade gefragt.

 

Ich kann das sehr gut,

Zeit geben.

Zeit nehmen lassen.

Klar, ist ja auch so

einfach, so leicht,

die Zeit nicht

zu meiner zu machen.

In ihr zu sein, mit mir.

Wo ich doch nicht

gut mit mir sein kann.

Also alleine. Mit mir

und dir ist das schon

okay irgendwie, da ist

das so ganz irgendwie,

da ist das so…

 

Leer. Leer ist das, wenn

ich mit der Zeit alleine bin.

Was sagt man denn dann?

Was WILL ich denn dann

sagen? Und? Wie gehts?

Kann man das die Zeit

fragen? Wie gehts?

 

Und? Wie gehts dir so?

Wie ergeht es dir gerade?

 

Nun, gerade jetzt, da bin

ich erst einmal ganz bei

dir, sagt die Zeit,

und nur für dich.

 

Ich umgebe dich, ganz,

nur du und ich. Nur du.

Und? fragt die Zeit. Wie geht

es dir damit?

 

Ich schließe meine Augen

und atme lange aus. Meine Knie,

sage ich.

Ja, sagt die Zeit.

Und mein Bauch! Auch der, nickt

die Zeit. Es wird hell.

Darf ich die Augen öffnen?

Wenn du magst, sagt die Zeit.

 

Und dann sehe ich

mich. Mich.

Nur mich.

Nachthimmel

Veröffentlicht am 7. April 2014 Schreibe einen Kommentar Themen: , , , , ,

15.11.2013

Ich schaue in den Nachthimmel und wundere mich über dich

 

Dunkler Rabe

bei Nachthimmel

verlieren sich

in deinen Augen

die Sterne

zu einem Punkt.

 

Als ob du sie

einsaugst, ihr Wissen,

ihre Weite,

ihr Licht.

Ich schaue dann in den Nachthimmel

und du schaust mir

in die Augen und

ich wundere mich

über dich.

 

Du schaust mir in

die Augen und

ich wundere mich

schon nicht mehr über dich.

Neben mit werden

die Sterne zu Punkten.

 

Als Punkt sehe ich

aus deinen Augen

in den Nachthimmel

und wundere mich nicht.

Nicht über mich und

nicht über dich.

Mein dunkler Rabe.

Mein Nachthimmel, du.

 

 

Wenn das Unmögliche passiert

In einer halben Stunde ist alles erledigt.

Der Rest der Woche ist dann frei.

Der Rest des Lebens irgendwie auch.

Und was passiert dann?

Was passiert dann?

 

Auf der Mauer am Friedhof hüpft ein Rotkehlchen umher.

Es scheut mir direkt in die Augen,

bleibt kurz ruhig

und hüpft dann doch weiter.

Ja, hüpf du nur, du kleines Ding.

Hüpf du nur.

 

Am Himmel lassen sich die Wolken von der

sich verabschiedenden Sonne färben.

Die Sonne bleibt kurz ruhig,

und verabschiedet sich dann weiter.

Ja, schlaf du nur.

Schlaf du nur.

 

Draußen auf der Straße lachen Spätheimkehrer miteinander.

Sie heben ihre Stimmen,

bleiben kurz ruhig,

und verstummen dann ganz in ihre Häuser.

Ja, geht ihr nur.

Geht ihr nur.

 

Wenn dann alles passiert ist, dann ist da nur noch ein übrig

Nur noch ich.

Ich gehe weg, doch ich komme immer mit.

Ich verstecke mich, doch ich finde mich immer wieder.

Ich verkleide mich, doch ich erkenne mich trotzdem.

Geduldig warte ich,

bleibe lange stehen,

und erwarte mich.

 

Ja, warte nur.

Warte nur.

nächtliches umherwandern

Manchmal ist mir nicht klar, woher die Worte kommen. Dann entsteht ein Text wie folgender:

(2011)

nächtliches umherwandern in den strömen des weges. an den stellen der obhut finde ich keine steine. finster schauen mich die kleeblätter aus ihren dreivieraugen an und wandern weiter umher. ich ignoriere ihre träume und wander weiter umher. nach den dreivieraugen kommen die stillen tropfen auf den weißen hintergründen. grünvergilbte häme, emporragend in den graubedämpften himmel. auf einmal wird alles klares vertrieben von einer wut an allem. wut an allem, als heilmittel für ein nervöses denken. große schwere züge leiten die fernwehenden herbei. ich verletze ihre regeln und gehöre nicht zu.

taumelnd vor pech drehe ich den lauf herum.

sehe ich etwas? meine einzweiaugen erkennen die linien um die wesen. linien halten die bestandteile zusammen. aus ihnen gibt es kein heraus. innerhalb der linien gibt es das feste, das bestehen, das übrigbleiben. einher gehe ich, über die trittstufen des herrn, der mir verboten hat, sich selbst ein nächster zu sein. nach dem schwallen der türme, nach dem abriss der gegenden der winde, nach den einzelheiten des gebens, nach dem schaffen, nach dem schaffen außerhalb der welt.

wenn alles vergeben ist, wenn die tage ihre formen verlieren und die vorhänge schneller zugezogen werden, danach, und wenn und als und oder und vielleicht. vielleicht haben wir dann die chance, die einuagen. wir einzweiaugen.

short form

 

i woke up with the

thought of

wanting you back.

the tears would not

come. instead,

i took a shower.

 

 

Eine von den Guten

verhalten sehe ich zu dir,

um meine augen vermeiden zu lassen.

 

meine hände imitieren

eine suche

und finden nur einander.

es dauert,

bis ich das begreife.

bis dahin sind meine beine

schon viel zu lange in

ungemütlicher position.

dein mund erlöst mich und

ich lache vor erleichterung.

 

dann verliebe ich mich in dich.

von draußen fliegt ein vogel an die scheibe.

(2011)

Ach, wenn doch nur.

Die Worte,

meine, deine, alle

verfingen sich in den Blutkrusten

auf meiner Haut.

Bis zu mir kamen sie gar nicht mehr durch.

Ach wenn doch nur, dachte ich.

Ach wenn doch nur.

Ach wenn du doch nur verstehen würdest.

Wenn du doch nur Verständnis zeigen würdest.

Wenn du mich doch nur festhalten würdest.

Unbedingt. Für immer.

Wenn doch nur.

Ich verstand, dass die Schere mehr zerschnitten hatte

als meine Haut.

Das Kind in mir verstand es nicht.

Es erlebte nur die Abwendung. Die Abweisung.

Leise hallte sein kleines, brechendes Herz

in meiner Tiefe.

Ein Sommer ohne Fliegen

Veröffentlicht am 13. März 2014 Schreibe einen Kommentar Themen: , , ,

31.01.2014

Was sollte sie darauf antworten? Er hatte ja Recht.

Sie konnte es auch nicht verstehen.

Gerne würde sie ihm sagen: Es ist schon okay so.

Lass mich das nur machen.

Ruh du dich in der Zwischenzeit aus.

 

Sie schaute auf und blickte ihm in seine ewigen Augen.

Weißt du, sagte sie,

ich bin wie ein Sommer ohne Fliegen.

Wie ein Kind ohne Wiese.

Wie ich ohne dich.

 

Er wartete kurz,

schaute,

schob seinen Stuhl langsam zurück,

und ging.

 

 

Stell dir vor

Stell dir vor, es passiert etwas.

Es war ein rauer Morgen, der sich lautlos an die letzte Nacht angeschlossen hatte. Es war einer dieser vielen Abende, an denen Dinge zur Sprache kamen, die dem einen nicht schnell genug und der anderen zu schnell geregelt wurden. Es war einer dieser Abende, an denen nicht klar gesagt wurde, was dahinter steckte, an denen niemand verstand, worum es wirklich ging und die Worte wahl- und ziellos durch die Räume geworfen wurden. Manchmal prallten sie an den Möbeln zurück, manchmal trafen sie jemanden. Es war einer dieser Abende, an denen es nie das letzte Wort gab, sondern immer nur das nächste.

Am nächsten Morgen holte sich dann der Alltag die restlichen Gedanken und Ausdrücke. „Bis später“. Ja, vielleicht bis später. Ich weiß es noch nicht.

Später dann stand sie an der Straße, an dem sein Fahrrad gefunden wurde. Sein selbstgebautes, an dem er mit so großer Sorgfalt die Speichen ins Lot gebracht hatte, bis der Reifen wieder rund war, bis die Spannung in jedem einzelnen Stäbchen gleich war. Sein grünes Rad. Als ob es dorthin gehörte, in den Graben neben der Spur.

Sein grünes Rad, das war alles, woran sie dann noch denken konnte, als sie wieder nach Hause fuhr. Nach Hause. Sie fuhr einfach weg von diesem Ort, von dem Rad, von den Speichen, von der Spannung, von dem letzten Ort. Bis später, als wäre es ein Versprechen gewesen, das nicht gehalten wurde.

Sie schrieb: „Sehr gerne wäre ich ein Teil eures Lebens geworden, weil ich ein Teil seines Lebens war und er ein Teil von meinem. Ich habe oft davon geträumt, dass ich mit euch rede und dass wir gemeinsam essen und kochen und Plätzchen backen oder den Wellen auf dem Fluß nachsehen, als ob sie aus der Ferne nicht mehr zurückkommen würden. Zwei Jahre habe ich neben euch gelebt, ohne euch zu kennen, ohne euch jemals zu sehen, ohne eure Wärme spüren zu können. Doch ich bin hier, auch jetzt. Ich war ein Teil, ich bin ein Teil. Ich habe alle Sachen hier, die uns ausmachen, aber ich darf nichts sehen, nichts sagen, nichts beschließen, nichts tun. Ich bin, war die nächste Person in seinem Leben, in seinem Denken, in seinen Räumen. Ich war die Stütze und die Mauer, die Falltür und das Kissen, die Schulter und der Arm, der Mund und der Stock. Ich war hier. Ich bin hier. Wenn ihr mich sucht, ich bin hier. Und empfange euch mit offenen Armen und Herzen, so wie er es in jedem Moment gemacht hat. Wenn ihr ihn sucht, so werdet ihr ihn in mir finden. Ich habe kein Recht dazu, aber ich stelle mir vor, dass ich euch die Brücke zu ihm sein kann. Denn ich bin hier.“

Stell dir vor, es passiert etwas.

Dann bin ich niemand.

 

 

 

 

 

 

 

Begegnungen

Begegnung

Als ich dir das erste Mal begegnet bin,

konnte ich mich am nächsten Tag nicht

mehr an deinen Namen erinnern.

Ganz einfach, hattest du mir

noch gesagt.

Und ich hatte ihn,

ganz einfach,

vergessen.

Er war mir in der Nacht

aus den Ohren gefallen.

 

Wie viele Stunden

ich gesucht habe,

lachend und weinend,

am Telefon,

bis ich endlich

auf die Idee kam,

mich bei dir zu melden.

„Ich habe nun alle möglichen Buchstabenkombinationen ausprobiert, die in die Kategorie „ganz einfach“ fallen. Aber dein Name war nicht dabei. Ich halte deshalb ein persönliches Treffen für notwendig.“

Fast drei Jahre später begegne

ich dir nun jeden Tag

in unserer gemeinsamen Wohnung.

 

Deinen Namen,

den brauche ich

nicht mehr zu vergessen.

 

29.11.2013