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Tag Archives: amelie hauptstock

How words evolve

Veröffentlicht am 2. Juli 2013 Kommentare deaktiviert für How words evolve Themen: , , , , , , , ,

Seit dem letzten Beitrag ist eine Weile vergangen. Also teile ich sehr gerne einen kurzen Beitrag, einen Impulsvortrag, wie Worte und ihre Bedeutung sich verändern und warum sie das tun, welche Wege sie dafür gehen können/müssen. Ich fand es schon immer faszinieren zu sehen, wie selbst die kleinste Verschiebung der Bedeutung sich im kollektiven Verwendungs- und Bedeutungsgedächtnis wiederfinden lässt und wie unsere Fähigkeit zur Sprache ein tief verwurzeltes soziales System erschafft. Unglaublich, was Sprache alles kann, oder?

http://blog.ted.com

It’s been some time since my last news, so I want to share with you at least a small talk about how words evolve and change. I always found it fascinating how words change and how this change spreads to all speakers of the language. Even the slightest variation in meaning can become part of the common sense. Isn’t that unbelievable? How our social system „language“ works?

 

 

Das Bild der Bildung

Veröffentlicht am 22. Februar 2013 Kommentare deaktiviert für Das Bild der Bildung Themen: , , , ,

Diskurs zwischen Dennis Przystow und mir. Auf ständiges Selbst sein und die Frage, wie Arbeit heute aussieht oder aussehen kann, stellt sich mir die ergänzende Frage, wie eigentlich unsere Bildung aussieht.

Eine stark gekürzte Einschätzung.

 

Seit ein paar Jahren bin ich als Dozentin tätig. Fast vier. Davor war ich Jugendtrainerin, Nachhilfelehrerin, Schülervertreterin. Immer wieder bin ich in Lehr-und Lernkontexten unterwegs und immer häufiger stelle ich mir die Frage: Was passiert da eigentlich, in unserer Bildung, mit unserem Bildungswesen? Wie bilden wir unseren Nachwuchs aus, was heißt das für unsere Gesellschaft in 10, 20 Jahren? Wo soll das eigentlich alles hinführen?

Um meine Schlussfolgerung vorweg zu nehmen: Ich bin der Überzeugung, dass wir Wissen nicht richtig vermitteln und dass wir auf die falschen Komponenten setzen. Damit ich nicht missverstanden werde: Fachwissen ist unumgänglich! Zu wissen, wie man richtig zitiert hilfreich, sauberes Formulieren und wissenschaftliche forschen eine erlernbare Kunst. Ich zweifle nicht an den Gegenständen an sich. Aber ich wehre mich dagegen, dass Wissen nicht mit Spaß und vor allem mit persönlichem Erfolg und noch vor allemner mit wirtschaftlicher Einsetzbarkeit zu tun haben darf, kann. Für mich ist die Möglichkeit, das zu machen, was einem liegt, was wir alle unbedingt irgendwo in uns drin haben, der Drang zur Verwirklichung, das bekommt von mir die oberste Priorität. Dass das nicht immer klar ist, verstehe ich nur allzu gut. Dafür werden wir seit dem Kindergarten, spätestens jedoch seit der Grundschule dazu erzogen, unsere Eigenarten in die Masse anzupassen. Noch mal: Keine Kritik an den einzelnen ausführenden Personen. Ich zweifle nicht an fähigen, einfühlsamen PädagogInnen. Ganz im Gegenteil. Ich bezweifle das System der Langeweile. Der Konformität. Der Egalität. Wir sind nicht alle gleich. Grundgesetzlich, ja! Aber unsere Fähigkeiten unterscheiden sich von klein auf.

Wenn wir also in einer aufgeklärten Westwelt leben, in der uns alle Türen und Tore offen stehen, dann frage ich mich, warum ich in meinen Seminaren an der Uni noch immer zu hören bekomme: Ich studiere auf Lehramt, weil ich sonst keine Kinder finanzieren kann. Weil ich jetzt schon weiß, welche Rente ich bekommen werde, ich denke, ich gehe in eine Anstellung, bei uns bekommt man doch eh keinen guten Job.

Mich machen diese Äußerungen nachdenklich und traurig zugleich. Ohne wirklich mit dem Bildungswesen theoretisch mich befasst zu haben, erfahre ich doch, was mit jungen Menschen, voll von Druck und Erschöpfung und Existenzangst, geschieht. Was erwarten wir denn eigentlich?

Natürlich gibt es die Ausnahmen. Die, die alles hinbekommen. „Heißdüsen“ hat mein ehemaliger Mitbewohner diese Leute genannt. Dass sind, mit voller Anerkennung für diese Lebensdisziplin, diejenigen, die schon mit Studienabschluss auf Stellenausschreibungen passen, in denen mind. 9 Monate Volontariat, 3 Jahre Beurfserfahrung in der entsprechenden Branche, kreativ, außergewöhnlich, Organisationstalent, bereit zu Überstunden, überdurchschnittlich engagiert, mit Willen zur Führungskraft steht. Ich war das nicht und ich bin mir sehr sicher, sehr viele Uni-AbgängerInnen und AusbildungsabsolventInnen sind das auch nicht. Und ich finde: das müssen sie auch nicht sein. Nein, sie dürfen es nicht sein! Junge Menschen sollten in keine stellverschraubte Schublade der apriori-Perfektion passen, sie sollten sich weiter entwickeln dürfen. Sie sollten „Fehler“ machen. Jeden Tag. Um zu erleben: es geht weiter. Ich gehe weiter.

copyright: Charles M. Schulz

Wenn ich ein Seminar halte, dann ist mir nicht nur wichtig, dass die Studierenden die Fachbegriffe beherrschen und mir zeigen, dass sie etwas gelernt haben. Mir ist vor allem wichtig, dass sie etwas über sich gelernt haben und dass sie im Austausch festgestellt haben: da geht noch mehr. Da geht noch mehr! Mut und Selbstbewusstsein, das sind für mich die wichtigsten Güter. Das Wissen kommt dann, ich übertreibe, wie von selbst. Aber ich bin überzeugt davon, dass der Wille zu Lernen, und zwar oberflächlich wie auch tief wissenschaftlich, dann von selbst kommt, wenn ich das richtige Thema für mich gefunden habe. Ich sage (noch) nicht: schafft die Unis ab! Ich sage aber: Gebt Studierenden, SchülerInnen, DozentInnen die zusätzliche Möglichkeit, die Neugier auf ihr Fach zu erhalten oder neu zu erwecken und selbst zu erfahren, wie sie ihr Fachwissen individuell einsetzen können, um erfolgreich zu sein.Gelangweilte Menschen sind der Stillstand eines jeden Systems. Politische Revolution mit gelangweilten Menschen? Geht nicht. Gibts nicht.

Was für jede Arbeit gelten sollte, setzt also schon früher an: Auch unsere Bildung und wie wir mit ihr umgehen zeigt uns, wo wir eigentlich gerade stehen. Wir sind eine Dienstleistungsgesellschaft. Aber wie kann ich mich selbst anerkennen, wenn die Leistung des Dienstes, des Service so entwürdigt wird, wenn der Titel mehr wert ist als das tatsächliche Handeln? Wo kommen wir da eigentlich hin?

 

 

Sich entscheiden

Veröffentlicht am 15. Februar 2013 Kommentare deaktiviert für Sich entscheiden Themen: , , ,

30.03.2012

 

Beiträge aus dem Leben

von amelie hauptstock

Sich zu entscheiden heißt, eine Menge Alternativen mit einem Schlag abzutrennen. Sich für EINE Sache entscheiden heißt, sich gegen VIELE andere entscheiden. Natürlich fällt das schwer. Natürlich möchte man am Liebsten alles haben. Ja und Nein. Entweder und Oder. Wenn und Aber. Doch das geht eben nicht. Es gibt nur eine Wahl.

Entscheiden heißt Verantwortung übernehmen

Sich für eine Sache entscheiden heißt auch, Verantwortung zu übernehmen, für seine Entscheidung und für die mitziehenden Konsequenzen seiner Entscheidung. Auch das ist nicht leicht. Selbst bei der Wahl des Kaffees bei Starbucks müssen wir uns entscheiden: Mit Milch oder ohne, fettarm, Soja oder Vollmilch, Tee oder Kaffee, mit Aroma oder ohne, Kalt oder Heiß, alles Entscheidungen, die im ersten Moment lapidar aussehen. Doch sie verursachen dieselben Gedanken wie existentiellere Angelegenheiten wie: Diese Frau oder die andere? Haus bauen oder Wohnung kaufen? Umziehen oder bleiben? Kinder oder keine Kinder? Springen oder nicht Springen? Die Konsequenzen dieser Auswahl scheinen elementarer, größer, bedeutsamer zu sein. Aber im Wesentlichen ist es das nicht. Nur das, je existentieller die Entscheidung, potentiell mehr Menschen aus der Umgebung darauf reagieren. Und die meisten bombardieren uns mit ihren eigenen, unentschiedenen Zweifeln.

Was ich nicht meine, sind ernste Besorgnisse wie Eltern sie haben. Auch nicht aufrichtige Bedenken von Freunden. Ich meine projizierte Unsicherheit, Angst, Unzufriedenheit, Abneigung gegen sich selbst. Ich bin kein Tablett, auf mir kann man das nicht abstellen. Ich bin aber manchmal ein Auffangbecken. Leider. Daran werde ich arbeiten. Denn dafür habe ich mich entschieden. Ich mich auch dazu entschieden, den Menschen etwas Gutes zu tun, in dem ich ihnen helfe, aus festgefahrenen Situationen auszubrechen, vor allem aus festgefahrenen beruflichen Situationen.

Lieber Job als kein Job

Viele glauben, dass ein schlechter Job besser ist als gar kein Job. Das mag nicht wirklich falsch sein, aber auf Dauer gesehen ist ein schlechter Job tatsächlich schlechter als gar kein Job. Vor allem in Deutschland, wo einem bei gar keinem Job finanziell unter die Arme gegriffen wird. Und ein jahrelang besetzter schlechter Job produziert Missmut, Unzufriedenheit, Ungelenkigkeit, Angst, erhöht den Druck auf sich selbst oder zerstört sogar die eigentlichen Leidenschaften, das, was man eigentlich machen wollen würde, wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen würden.

Und auch ein schlechter Job ist eine Entscheidung. Ich entscheide mich damit für weniger Spaß, weniger Ausgefülltheit, weniger Herausforderung, weniger Lebensqualität. Auch wenn es kein schlechtes Geld gibt, aber was nützt das einem, wenn man in den wenigen freien Tagen irgendwo hinfährt mit dem Gedanken, dass man ja leider auch wieder zurückfahren muss? Die Schultern werden schwerer, mit jedem Jahr.

Sich nicht entscheiden heißt schweben – irgendwie

Ich sage das nicht, weil ich das so denke. Sondern weil ich dieselbe Erfahrung gemacht habe. Ich habe schon mein Studium danach entschieden, was am Abstraktesten klingt, so dass ich keine konkrete Berufsentscheidung mit Anfang 20 treffen musste. Durch eine begonnene Promotion verschaffte ich mir eine weitere Verlängerung; ich hatte eine halbwegs gesicherte halbe Stelle an der Uni, hatte einen geregelten Tagesablauf. Ich durfte nicht machen, was ich konnte. Ich durfte noch nicht einmal meine Hände so bewegen wie ich wollte.

Ein Job, der krank machte

Und jeden Morgen habe ich mich aufs Neue gefragt, ob ich mich übergeben oder einfach so zur Arbeit fahren soll. Ich war unglücklich. Und ich wurde krank. Ich bekam annähernd chronische Infektionen, die normalerweise in einer Woche ausheilen, aber sich bei mir drei bis vier Wochen hinzogen. Ich fand es nicht schlimm, denn ich lag mit Attest zuhause und habe von zuhause aus gearbeitet. Ich saß an Rechner und Telefon und habe gearbeitet. Anstatt mich vernünftig zu erholen. So groß war mein schlechtes Gewissen darüber, dass ich krank war.

Um das klarzustellen: es lag nicht an der Arbeit an sich. Sondern an der Unvereinbarkeit mit meinem Eigentlich.

Irgendwann ging es dann nicht mehr. Mein ganzer Spaß war weggesogen, meine Ausgelassenheit war aufgebraucht, mein Elan, die Energie, es fühlte sich an, als ob alles aus mir rausfließen würde, und meine Hülle mit dunklen Augen blieb traurig zurück.

Die Entscheidung zur Veränderung

Dann entschied ich mich gegen eine Unikarriere. Ich entschied mich gegen Zurechtbiegenlassen, gegen das vermeintlich sichere Umfeld. Ich entschied mich für die Arbeitslosigkeit und dann, aus dem Nichts, für die Freiberuflichkeit. Ja, das war gewagt. Ja, das war auch hart. Ist es immer noch, ein halbes Jahr später. Und ja, es wird härter, weil es mehr Menschen gibt, die nicht wollen, dass es funktioniert. Ich habe sehr lange an das unbedingt Gute im Menschen geglaubt. In manchen Menschen erkenne ich das noch. Bei meinem Mann zum Beispiel. Und bei meinen echten Freunden. Auch wenn sich viel Angst und Erfahrung über das Gute gelegt haben. Es ist erkennbar. Aber je länger ich für mich selbst verantwortlich bin, desto mehr bemerke ich, dass auch an sich gute Menschen sich zu schlechten Entscheidungen, Handlungen, Abhängigkeiten hinreißen lassen. Ich sage nicht, dass mein Weg richtig ist. Für mich ist er richtig. Nicht für jeden, auf keinen Fall. Aber mein Weg beinhaltet Unterstützung für diejenigen, die sich auch für sich entscheiden wollen, aber nicht wissen, wie sie das anfangen können. Oder womit. Es beinhaltet Ehrlichkeit und Freundschaft, die nicht fragt, ob das richtig ist, sondern ob es zu einem passt, ob es ehrlich ist. Professionalität in jeder Hinsicht, selbst beim Kaffeekaufen. Menschen nicht zu verurteilen beim ersten Augenblick, sondern ihnen zuzuhören und ihre Geschichte kennenzulernen. Und mit ihnen zu reden anstatt über sie. Das bedeutet Disziplin. Und Arbeit. Aber vor allem bedeutet es für mich Spaß. Und Erfüllung. Denn ich weiß, ich kann etwas verändern, ich kann Menschen bewegen. Das ist meine Entscheidung. Und damit auch meine Verantwortung. Auch dafür habe ich mich entschieden.

Wie sich das anfühlt? Erwachsen. Ehrlich. Gut. Einfach nur gut.

Premierennachruf Ernst&Aber

Veröffentlicht am Kommentare deaktiviert für Premierennachruf Ernst&Aber Themen: , , , , , ,

20.11.2011

Von draußen sieht man nur das sanfte Licht des Kronleuchters und die vielen Kerzen im Café leuchten. Es wird einem sofort klar: Hier ist Raum für etwas Besonderes. Auf einem Tisch liegen Schriftstücke, auf einem anderen ein paar Bücher. Daneben, in der Nähe, steht ein spielbereites Cello. Es ist der Premieren-Abend von Ernst&Aber im Café Chokolat im Dortmunder Kreuzviertel. Ernst&Aber, das sind ein Cello und eine Stimme, ein junger Mann und eine junge Frau, er spielt, sie liest und singt und gemeinsam gehen sie in den selbsterschaffenen Tönen und Texten auf.

 

Ernst&Aber im Café Chokolat

Der Abend beginnt mit einem Cello-Solo und leitet, über klassische Melodien, über zum Lyrikblock. Ruhig erhebt sich

die erzählende Stimme und nimmt ZuschauerInnen mit in Käferwelten, Traumgestalten und konkrete Lückenlyrikwelten. Von hier an und dann weiter, eine Cello-Improvisation, es könnte auch das Leitthema des Abends sein. Von hier an, und dann weiter, so gehen sie, die Texte, die Rhythmen, der Gesang, die vibrierenden Saiten und Seiten. Eine kurze Pause und weiter. Sein Cello wandert über Bach-Sarabanden zu orientalisch anmutenden Improvisationen, gezupfte und gestrichene Bearbeitungen des Instruments, in sich wiederholend und miteinander verhallend. Ihre Stimme fällt ein in die dazwischen aufkommende Ruhe, verbirgt sich hinter minimaler Mimik und schraubt sich kraftvoll durch die gemeinsamen Arrangements. Ein Abend im Leben von Ernst&Aber, freie spontane Textvertonungen inklusive.

Sowie er begonnen hatte, endet der Abend auch, alle hängenden Gedanken werden von Cellountermalung begleitet und ausgeleitet. Die Kerzen brennen noch eine ganze Weile, denn an ein Ende mag man nicht glauben. Eins ist sicher: sie werden wiederkommen, Cello&Lyrik, Ernst&Aber.

 

freiluftlyrik, adaptiert

Veröffentlicht am 4. Februar 2013 Kommentare deaktiviert für freiluftlyrik, adaptiert Themen: , , , , ,

Der folgende Beitrag ist ein sehr besonderer Moment für mich. Angeregt durch mein Projekt der freiluftlyrik wurden die Studierenden von meiner freidenkenden Kollegin Ina Brauckhoff zu Weiterführenden der Idee. Raus aus dem Gebäude, rein in die Realität, Luft für die Gedanken und Texte. Lyrik soll interaktiv sein und sie braucht den (öffentlichen) Raum, um atmen und sich entfalten zu können.

Der zentrale Gedanke der freiluftlyrik ist: Lyrik ist genau an dem Ort, an dem sie entsteht. Sei es im Café, in der U-Bahn, beim Metzger oder im Kino. Jeder Text hat einen Ort, an dem er zum Vorschein kommt. Nicht ohne Grund haben berühmtere Namen Texte mit Orten verbunden. Und freiluftlyrik nimmt den Ort der Worte ernst.

Mit einiger Rührung und großer, großer Wertschätzung teile ich aus aktuellem Ergebnisanlass die Fotoreihe der Studierenden, nicht ohne Stolz, was aus einer kleinen Idee werden kann, wenn immer mehr Leute sie verfolgen. Mein Dank geht an Ina für ihre Umsetzung!

Ich gebe der Seminarleiterin selbst das Wort für ihre Erfahrungen und Gedanken:

„Freiluftlyrik“ 

Raus aus der Uni, rein ins Schreiberlebnis

Am 17. Dezember 2012 machte ich mich mit 15 Lehramtsstudierende des Hauptseminars „Kreatives Schreiben in der Schreibwerkstatt“, Fakultät für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache der Universität Duisburg-Essen, auf den Weg – raus aus dem Seminarraum, rein in die Essener Innenstadt.

Anregung war das Konzept „Freiluftlyrik“ von Amelie Hauptstock.

In kleinen Gruppen verteilten die Studierenden sich auf mögliche Schreiborte – die einen blieben draußen auf dem Weihnachtsmarkt, in der Fußgängerzone oder an ruhigeren Plätzen, die anderen zog es in den Weihnachtstrubel der Geschäfte oder in die warmen Cafés. Aus der Atmosphäre des jeweiligen Ortes zogen sie Ideen für Gedichte, Geschichten, Kurz- und Kürzesttexte. Ihre Gedanken brachten sie vor Ort zu Papier und ließen sie dort zurück. Nach einer Dreiviertelstunde traf sich die Gruppe wieder am Essener Hauptbahnhof. Erlebt hatten alle etwas. Die Begeisterung war spürbar, Fotos wurden gezeigt, Anekdoten erzählt, erste Überlegungen zu Konsequenzen für die spätere Unterrichtspraxis diskutiert – ein viel lebhafteres Gespräch, als es manchmal im Seminarraum zustande kommt. An einer Litfaßsäule wurde zusammen ein letzter Text geschrieben und aufgeklebt, Schreiben noch einmal kollaborativ erfahrbar.

In der darauffolgenden Seminarsitzung – zurück in der Uni – reflektierten die Studierenden den Schreibausflug. Spaß gemacht hatte es, sich von der direkten Umgebung zum Schreiben anregen zu lassen. Jeder fand schnell Anregungen, die aufs Papier gebracht werden wollten. Manchmal waren die Ideen schneller als der Stift. Aber auch andere Fragen beeinflussten das Schreiben: Wer wird meinen Text lesen? Wird er vielleicht weitergetragen? Oder wird er bald weggeworfen? Wie kurzlebig ist das, was ich hier mache? Und wo verläuft die Grenze zwischen Straßenkunst und Sachbeschädigung?

Der Schreibausflug „Freiluftlyrik“ ist eine der vielen praktischen Erfahrungen, die die Studierenden zu den Einsatzmöglichkeiten und -grenzen kreativer Schreibmethoden im Deutschunterricht sammeln und der verdeutlichte: Universität ist überall da, wo ausprobiert, gelernt und reflektiert wird.

Dass sie mit ihren künftigen Schülern zum Schreiben auch einmal den Klassenraum verlassen möchten, um vor allem wenig schreibbegeisterten Jugendlichen einen Zugang zu einem Medium des Selbstausdrucks zu ermöglichen, da sind sich die meisten sicher. Dass Schreiben im öffentlichen Raum aber immer auch ein Risiko ist, was Sozialkompetenz und Selbstverantwortung sowohl voraussetzt als auch fördert, ist ihnen ebenfalls bewusst.

Ina Brauckhoff

Ich ergänze: Den Freiraum für das eigene Wissen und den eigenen Ausdruck zu haben oder sich zu nehmen und das an andere weiter zu geben, das ist für mich ein wichtiger Bestandteil von ganzheitlicher Ausbildung, auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Mehr Mutige wie Ina Brauckhoff und ihre Studierenden braucht es!

Songtext: Two seconds of my life

Veröffentlicht am 17. Oktober 2012 Kommentare deaktiviert für Songtext: Two seconds of my life Themen: , , , , ,
Two seconds of my life

When I wake up
I only have to seconds
two seconds, two seconds
before my mind wakes up
and I am not myself anymore.

When my mind wakes up,
the wrinkles in my face groß deeper
the engines of thoughts and doubts start
the canals for water are opened.

So whenever I wake up
Water wets my pillow
And I am not myself anymore.

Save me
Save me in two seconds
Save me in two seconds
Save me in two seconds
When I am me.
When I am sure.
When I am me.
Save me in two seconds of my life.

Save me in two seconds
Save me when you see me
Save me as you see me
Save me in two seconds of my life.

When I wake up
I only have two seconds
Two seconds, two seconds
before my dreams end
and I am not myself anymore.

Everything is in two seconds of my life.

©amelie hauptstock für ANNAundvictor

Lächeln ist nicht immer der richtige Weg

Veröffentlicht am 12. Oktober 2012 Kommentare deaktiviert für Lächeln ist nicht immer der richtige Weg Themen: , , , , ,

Jeder Mensch hat seine eigene Sprache, eine ganz eigene Art zu sprechen. Jeder hat im Laufe des Lebens bestimmte Konventionen gelernt. Die Konvention der Höflichkeit ist dabei eine, die besonders hoch gehalten wird. „Das macht man nicht“ ist der prototypische Satz dafür. Höflichkeit ist ein Weg um das soziale Miteinander zu regeln. Zur Kontaktpflege mit den Nachbarn wird sich höflich nach den Kindern erkundigt, unbekannte Personen werden höflich angesprochen, in Geschäften wird man höflich gefragt, ob man Hilfe braucht. „Alle sind happy, alle sind froh“, wie es bei den Ärzten heißt. Höflichkeit organisiert das allgemeine Zusammenleben. Es stellt gegenseitigen Respekt her, indem individuelle Grenzen durch intrasubjektive Konventionen eingehalten werden. Heißt: Ich lass dich in Ruhe und du mich und wir verständigen uns erinvernehmlich auf diese Vorgehensweise. Höflichkeit ist etwas Gutes. Eigentlich. Doch Höflichkeit hat eine Kehrseite: Sie entspricht nicht der Wahrheit. Höflichkeit ist die Fassade, die man den anderen präsentiert. Eine Rolle, die es in bestimmten Situationen ermöglicht und gleichzeitig fordert, für das allgemeine Wohl zu sorgen anstatt zum Beispiel laut loszuschreien.

Höflichkeit ist das Verhalten, bei dem wir uns so verhalten, wie wir eigentlich nicht sind. In manchen Situationen führt Höflichkeit deshalb nicht zu gegenseitigem Respekt, sondern zu Ablehnung oder gar Auflehnung.

Beispie Kundenkontakt: Mit großer Sicherheit fühlt sich der Kunde oder die Kundin nicht ernst genommen, wenn ein riesengroßes Lächeln auf den VerkäuferInnenlippe liegt und ein zu hoch angesetztes „Wie kann ich Ihnen helfen?“ das Misstrauen deutlich verstärkt. VerkäuferInnen dann auch noch darin zu schulen, alles und jeden einfach anzulächeln und Höflichkeit zu spielen bringt keinen positiven, sondern einen negativen, allemal aber einen verstörenden Effekt. Wenn sich die Verkäuferin, die es wirklich nicht böse meint, mit einem durch die Lippen gepresstem „Vielen Dank für Ihren Einkauf hier“ bei jedem Kunden/jeder Kundin persönlich bedankt, dann ist nicht nur die Art und Weise leicht als Strategie erkennbar, sondern wird dadurch die Authentizität der Verkäuferin/des Verkäufers direkt aufgehoben.

Schuld daran sind nicht diejenigen mit Kundenkontakt, sondern diejenigen ohne, die den Kontaktlern einbläuen, sich an irgendwelche Strategien halten zu müssen.“Lächeln Sie, was auch immer geschieht“.

Doch was für Auswirkungen hat das? Keiner kann mehr auf die tatsächliche, sozial und, aus Imagegründen, notwendige soziale Verbindung achten, da sie zu sehr mit der Einhaltung irgendwelcher Kommunikationsstrategien beschäftigt sind. Kommunikation funktioniert aber am Besten, wenn sie eines ist: natürlich. Aufgesetzte, eingepresset Floskeln und Redewendungen, die aus jedem Kunden/aus jeder Kundin eine unpersönliche Geldgebemaschine machen, erzeugen das Gegenteil von dem eigentlich Ziel, soziale und damit persönliche Distanz der KundInnen zum Unternehmen.

 

Was also tun: Der erst Schritt ist, sich nicht auf theoretische Konzepte zu verlassen, sondern das Potential der KontaktlerInnen zu erkennen und zu nutzen. Das kann man zum Beispiel durch Analysen der direkten Interaktion, also der tatsächlichen Gesprächssituation. Das ist unaufwendig, unauffällig und führt zu individuellen Ergebnissen, die wiederum in individuellen Schulungen umgewandelt werden können. Weg von Floskeln und Gesprächsführungsredewendungen, hin zu dem eigentlich wichtigen Menschen, dem Kunden/der Kundin! Bewusstseit für das, was einem gesagt wird, und wie es einem gesagt wird ist das A und O einer kompetenten, professionellen Kommunikation. Und vor allem ist zu unterscheiden, wer eigentlich mit welchen Personen in Kontakt kommt, wo die „Probleme“ liegen, wann es hakelig wird und wie man damit intuitiv umgeht und ob das funktioniert und wenn ja, warum das funktioniert. Denn dann sind schon alle rhetorischen, persönlichen, kommunkativen Kompetenzen vorhanden, die mit Sicherheit eine Mischung aus Höflichkeit, Ehrlichkeit und Lebenserfahrung sind.

Warum sollte man dieses Potential nicht nutzen? Warum sollte man stattdessen auf falsche Höflichkeit, Nettigkeit, auf aufgesetzte Lächeln und damit unangesprochene KundInnen setzen? Warum?

 

Die Inspiration für diesen Beitrag:

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2012-10/einzelhandel-umsatz-mitarbeiter-nettigkeit

(Mit Dank an Miriam Morek für den Hinweis!)

 

Ich mach das mal mit links

Veröffentlicht am 26. Juli 2012 Kommentare deaktiviert für Ich mach das mal mit links Themen: , , , ,

Eine weitere Lektion, die ich mir beibringe: Ich kann nicht alles. Ich muss auch nicht alles können. Mann. Da fällt schon beim Schreiben schwer, nicht sofort wieder die Delete-Taste zu drücken.

Heißt Alleskönnenwollen eigentlich Nichtswirklichkönnen?

Es gibt erdrückende Beweise für mein Nichtkönnen. Eine dreistöckige Sahnetorte backen. Kann ich nicht. Aber ich kenne jemanden, der das kann. Auf dem Fahrrad an der Ampel balancieren. Kann ich nicht. Auch da: ich kenne jemanden, der das kann (und der dabei um einiges cooler aussieht als ich, wenn ich mich abmühe cool auszusehen). Chemische Substanzen zusammen mischen, dass dabei was Wirksames entsteht. Kann ich nicht.Webseiten programmieren, Getreide ernten, Häuser bauen, Flugzeuge fliegen, Unterlagen sortieren, Klappe halten. Kann ich alles nicht. Könnte ich vielleicht lernen. Ich könnte mich aber auch darauf konzentrieren, das, was ich kann, noch besser zu können. Schreiben. Singen. Gütig sein. Das kann ich. Lachen. Freitanzen. Kochen. Das kann ich auch. Das reicht auch erst mal. Und um mich daran zu erinnern, dass Nichtkönnen nichts mit Nichtskönnen zusammenfällt und dass ich genau richtig bin, wenn ich bin, wie ich halt gerade so bin, hier mal etwas, das ich mit links gemacht habe (ich danke Frank Scheele für seine Inspiration!)(und ja, ich weiß, es ist spiegelverkehrt. Tja. So ist es eben.):