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*hauptwort macht Liebe an Scheiben

Veröffentlicht am 15. Februar 2013 Schreibe einen Kommentar Themen: , ,

29.11. 2011

Ein schöner Abend, oder besser eine geliebschaftete Nacht wars gewesen! Die Fenster trugen die Texte von amelie hauptstock für *hauptwort, und es sah ganz wunderbar aus! Weiße Schrift vor nachtschwarzem Himmel, feiernde Liebhaber und Geliebte…le seufz, ein berauschtes Weihnachstsfeiern!

Bilder gibt es hier: http://www.et-voila.de/fotos/25-12-11-liebschaften

Sprache und Ästhetik

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26.04.2012

 

Sprache und ästhetisches Bewusstsein

Gestern hat mein dreiteiliger Kurs zu Sprache und ästhetischem Bewusstsein begonnen. Wie bei allen Themen, die mich zwar schon länger beschäftigt haben, in die ich aber noch nicht tief eingetaucht bin, befrage ich zuerst mein Lexikon (Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie). Wenn ich dann ausreichend mit Fragezeichen versorgt bin, hilft mir mein Freund Google weiter. Mich interessiert zuerst immer die Frage, was passiert, wenn ich einen Begriff google? Ich weiß, dass das Suchergebnis nicht unbedingt etwas mit der allgemeinen Auffassung zu tun hat, aber in der Regel trifft Google in meine Erwartungen.

Mein Freund Google

Naja, dies mal nicht. Ich dachte, wenn ich Bildersuche „Ästhetik“ eingebe, dann werden mir allerlei bedeutsame Kunstwerke, Designobjekte und Gedichtbände angezeigt. Doch weit, weit, weit gefehlt! Das allererste Bild (Stand 25.04.2012) war ein Foto eines Menschen mit Tätowierungen, Ringen, Knubbeln im und unter dem Gesicht. Sogenannte „Faciale Ästhetik“. Ich musste lachen und weinen. Doch was danach kam, war nicht weniger verwunderlich. Oder vielmehr zeigte es mir, dass ich mich schön in meiner wissenschaftlichen Definitionsblase bewegt hatte, während der Rest der Welt sich ein eigenes Bild von Ästhetik kreierte.

Bis zu den ersten „schönen“ Dingen arbeitete ich mich durch tausende Bilder von Zahnersätzen, Gesichtsmodellagen und Frauenlächeln. Die ästhetische Dental-Chirurgie hat sich an die Google-Spitze der Bildersuche gesetzt! Ich war entsetzt! Wo waren denn all die großartigen Gemälde, die harmonischen Bauten der Renaissance, die Formenlehre des Bauhaus! Wo warst du, Kultur?

Das Leben mit alten Begriffsmeinungen

Ich stellte also fest: Mein Verständnis von Ästhetik als Begriff hatte in der Online-Welt nicht überlebt. Da half nur gezieltes Suchen. Puh! Zum Glück! Ich fand „meine“ Ästhetik. Ich begriff aber auch: Ästhetik wird oftmals gleichgesetzt und verwechselt mit Schönheit. Dabei hat die eigentliche Bedeutung erst mal eine neutrale Formulierung: Sinnliche Wahrnehmung. Etwas mit allen Sinnen genießen ist ästhetisch. Das bedeutet aber auch, dass Ästhetik etwas sehr subjektiv empfundenes ist. Gibt es keine ästhetischen Universalien? Oder ist Ästhetik eine beständige Größe, eine Entität?

Frage – Gegenfrage

Mir stellen sich bei einer Frage ja grundsätzlich mehr Gegenfragen, als ich Antworten liefern kann. Eine prägnante Frage war: Wenn ich Ästhetik als solche jetzt, zu diesem Zeitpunkt, nicht erfassen kann, dann kann ich vielleicht über das Bewusstsein für Ästhetik sprechen. Ein Bewusstsein dafür, dass etwas hinter der sichtbaren Oberfläche liegt. Etwas, das außerhalb der a priori-Wahrnehmung im Gegenstand gelegen ist. Ich habe für mich das ästhetische Bewusstsein definiert als Wille oder Wunsch, eine Sache vollständig begreifen zu wollen. Also in der Grundbedeutung von Ästhetik. Und das kann man lernen. Also die Details zu sehen. Je mehr man weiß und je mehr man erfährt, desto genauer kann man die Ästhetik erkennen und beschreiben. Dafür muss man sich natürlich auf das, was einen umgibt, einlassen.

Am Ende waren für mich mehr Fragezeichen im Raum als Ausrufezeichen. Aber so mag ich es. Es ist ein Prozess des Verstehens bzw. des Verstehenwollens. Da bin ich am Anfang immer aufgewühlt und kopfwirrwarrig.

Eine Kursteilnehmerin beschrieb diesen Prozess eigentlich sehr treffend: Ich sehe die Rose und ich sehe die Farbe Rot. Aber ich sehe noch nicht die rote Rose.

Authentisch gleich ästhetisch?

Wie kann denn Sprache nun ästhetisch sein? Und wie kann ich meine eigene Sprachwirkung näher zu dem bringen, was ich wirklich aussagen möchte? Ich fand diese Idee unglaublich spannend, dass Sprache genau dann ästhetisch ist, wenn sie authentisch ist. Und das nicht in einem literarischen Sinne, sondern bezogen auf den Alltag.

Aus meiner Sicht, als eine Perspektive, in der Sprache nicht nur aus wissenschaftlicher und beruflicher Perspektive im Zentrum steht, sondern aus meiner Sicht, die ich selbst immer noch auf der Suche bin, das Eigene im Einklang mit dem zu bringen, was von anderen wahrgenommen wird, also, um es kurz zu machen: Das ist ein langer Weg der Selbstreflexion. Er ist nicht unmöglich, auf keinen Fall! Aber seine eigene Sprache zu finden, in einer Umgebung, die suggeriert, wir müssten dieses und jenes tun, wir müssten so und so aussehen und das und das kaufen, um glücklich zu werden, da ist es eine ehrenvolle, und deshalb ausdauernde Arbeit. Nichtsdestotrotz: Der Weg lohnt sich! Denn wer sprachlich bei sich ist, ist, vermutlich, auch sonst bei sich. Und wenn ich in meinem kurzen Dasein als Freiberuflerin etwas gelernt habe, dann ist es das:

Authenticity sells!

Authentizität ist das, was einen hervorstechen lässt. Sie ist das, was einen besonders macht. Denn wir sind besonders, jeder von uns für etwas anderes, für jemand anderen.

Ich denke nun intensiv darüber nach, wie ich in 90 weiteren Minuten die Wirkung von Sprache und eine gewisse Optimierung erklären und erkennbar machen kann. Es ist wie Vokabeln-Lernen: Wenn man sich nicht hinsetzt und etwas dafür tut, dann wird das nichts (Ausnahmen bestätigen die Regel). Aber das ist ein verdammt spannendes Langzeit-Projekt: Wie sich durch permanente Selbst- und Fremdreflexion die Sprache zu einer eigenen, richtigen, ästhetisch weil authentischen Version entwickelt.

Ich würde sagen: Challenge accepted!

Freiheit der Worte! Freiheit den Worten!

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25.05.2012

Nicht nur die Gedanken, sondern auch unsere Worte sind frei. Dachte ich. Bis ich feststellte, dass meine Worterfindungen gar nicht von jedem so toll gefunden werden. Extravagieren. Nicht wirklich ein angemessenes Wort, phonetisch zu artverwandt mit anderem Begriff.

Worte, die man sagt, obwohl sie nicht stimmen, wenn man sie sagt

Beschreibungen jenseits von „innovativ“, „hochwertig“ und „qualitativ“ sind gar nicht so gerne gesehen, auch wenn das der Auftrag war. Astra Kid haben mal gesungen: „Man kann keinem Menschen in den Kopf sehen, man kann es nur wenn er mal explodiert.“ Da ist was dran. Ich versuche nun also, den Menschen sprachlich in ihren Kopf zu sehen, ohne dass mein oder ihr Kopf dabei atomare Kleinstaggregatzustände annimmt. Ich versuche das auch im Privaten. Ich verstehe nicht, warum ich mit „nett gemeinten“ Pampigkeiten begrüßt werde und ich das auch noch gut finden soll. In welchem Kopf ist denn so eine Verknüpfung vorhanden? Was sich liebt, das neckt sich? Ja, WAS vielleicht. Aber WER irgendwann nicht mehr, wenn das Necken zum Schrecken wird. Ein schlechter Wortwitz.

Oh weh! Ihr!

Ja, da war ich auch schon mal besser. Über das ganze Wie vermeide ich bestimmte Begriffe-Denken ist meine eigene Freiheit der Worte abhanden gekommen. Es tut mir leid, meine allerliebsten Werkzeuge des Mitteilens, ihr Segelschiffe der Bedeutung, ihr Überbringer freier und unfreier Botschaften, ich kann euch nicht entlassen in eure endgültige Ruhe, in euer bloßes Dasein, das Flirren und zärtlichkeitserzaubernde Wesen, das ihr seid!

Freiheit der Worte, Freiheit den Worten. Für dieses Pfingstwochenende nehme ich mir neologistische, wortverflechtende, kreationsüberufernde Sprachorgasmen vor, an die ich mich selber nicht mehr erinnern werde, so intensiv werden sie sein. Das musste mal raus. Der Worte wegen.

Wortknigge: Man sollte nicht

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Das schlechte Gefühl drumherum

Ich habe mich oft gefragt, warum ich aus manchen Gesprächen oder manchen Situationen mit einem unguten Gefühl gegangen bin, obwohl doch eigentlich alles ganz normal erschien. Oder warum ich mich schlecht fühlt, obwohl ich eigentlich nichts Schlimmes gemacht habe. Eigentlich habe ich gar nichts gemacht. Und trotzdem. Irgendeine Laus nagt an der Leber, irgendein anderes Tier trampelt über die Niere, irgendein Floh setzt sich ins Ohr und flüstert „Buuuuuuuuh“. Und zwar nicht das Gespenster-Buhu, sondern das Ausbuh-Buuuuuuh.

Gesetze des Sollens

Und dann fiel es mir ein bzw. auf: Ich fühle mich manchmal richtig schlecht, weil ich eins nicht beachtet habe: Die „Man sollte nicht“-Regel. Man sollte in meinem Alter (greisige 29) keine Kleider tragen, die verdächtig viel Haut am Ausschnitt oder den Beinen zeigen. Man sollte sich nicht zu viel bewegen, wenn es draußen warm ist. Man sollte keine Witze machen, wenn man beruflich unterwegs ist. Man sollte dann auch nicht laut lachen, so wie ich. Man sollte nicht noch einmal an dieser Stelle nachfragen, das würde das Gegenüber nerven. Man sollte nicht zuviel erwarten. Man sollte nicht übertreiben. Man sollte nicht dies und nicht das. Ich glaube, manchmal steckt dazwischen sogar ein „Gerade du solltest nicht du selbst sein“.

Erste Reaktion meinerseits: Häh? Warum nicht? Warum soll ich keine kurzen Kleider tragen? Ich mag meine Beine, die sehen gar nicht so schlecht aus. Ich mag das Spiel mit den Grenzen der Biedermeier-Konvention, ich mag es, zu verwirren und ich mag es, wenn man die schwarze Spitze am Ausschnittsrand leicht erkennt. Das hat nichts mit Verführung zu tun, das ist ein einfaches „Mir gefällt das so. Genau so!“

Warum sollte ich keine Witze machen, ich, als Frau? Und laut lachen? Ich find das herrlich! Meine Lache ist laut und dreckig und bei Bedarf dauerhaft aktiv.

Warum sollte ich nicht übertreiben? Wer sagt denn, dass meine Welt die übertriebene ist? Vielleicht ist meine die richtige? Und selbst, wenn nicht, so what? Kann man überhaupt zuviel erwarten? Ich erwarte, dass sich die Welt zum Besseren ändert. Wie kann das zuviel verlangt sein? Ich verlange nicht, dass alle in den Straßen rückwärts gehen. Dann würde mein Freund nicht mehr auffallen oder müsste sich etwas neues einfallen lassen, für das ich ihn noch mehr lieben werde. Aber ich verlange, ich erwarte, dass sich die Welt während meiner Lebenszeit zum Besseren entwickelt. Und ich möchte dazu beitragen. Irgendwie. Und wenn ich nur einen Menschen dabei unterstützen kann, seinen Weg zu gehen. Oder zwei. Oder zehn. Oder hundert. Warum denn nicht?

Menschen, die dafür zuständig sind, Informationen preis zu geben. Warum sollte ich die nicht noch mal anrufen, wenn sie es beim ersten Mal nicht geschafft haben, alle meine Fragen zu beantworten? Und dann fiel es mir wie Fischschuppen von den Augen: Eigentlich sollte alles genau andersherum sein, damit wir glücklicher werden.

Man sollte mal überhaupt nichts sollen oder genau das Gegenteil wollen

Ein einfaches „Ich verstehe, dass Sie sich Sorgen gemacht haben. Aber alles ist in Ordnung. Und sollte dennoch etwas sein, kommen Sie direkt wieder vorbei. Hier, in meine helfenden Arme“, das genügt doch schon. Klingt übertrieben? Natürlich! Aber trotzdem, was dahintersteckt: Ein einfaches Zuhören und auf den anderen eingehen und damit wirklich seine Bedenken aus dem Weg räumen. Ein einfaches Anerkennen: ok, du hast gerade ganz schön viel im Kopf, und jetzt schauen wir mal, wie wir da drankommen, dass es dir wieder gut geht. Und schwupps, dann lauert eben keine Mieswanze auf der Mauer. Sondern das Wissen, man ist zwar irgendwer, aber irgendwer anders hat mich verstanden.

Und deshalb sollte man nach meiner Sicht nun immer genau das andere wollen und einfordern. Höflich, aber bestimmt.

„Hören Sie sich meine Geschichte an, ich brauche Ihre Hilfe, denn nur Sie, nur Sie ganz allein können mir dabei helfen!“ (Übertreibung…aber wenn Sie das so lesen und sich vorstellen, jemand sagt Ihnen das am Telefon oder im Laden…fühlt sich das in der Bauchgegend nicht unglaublich gut an?)

Andere Sprechen heißt anderes Denken

Es hat eine Weile gedauert, bis ich gesehen habe, dass unsere sprachliche Darstellung von Dingen, die man gesellschaftskonventionell ausgedacht hat, mein ungutes Gefühl ausgelöst hat. Aber genauso, wie ein „man sollte nicht“ etwas Ungutes erzeugen kann, so kann ein „man sollte auf jeden Fall“ etwas Gutes bewirken. Man sollte auf jeden Fall seinen Ideen folgen und sich selbst jeden Tag dafür anerkennen, dass man seine Idee ein Stück weitergetragen hat. Man sollte auf jeden Fall allen seinen Freundinnen und Freunden ab und zu, immer, dauerhaft sagen oder zeigen, dass sie etwas ganz Besonders im eigenen Leben sind. Man sollte auf jeden Fall Feiern, dass man die Röcke kurz, die Lache laut, die Witze derb, das Denken groß, das Leben so hat, wie man es halt hat.

Man sollte. Ich sollte. Ach, scheiß drauf. Ich mach jetzt einfach.

freiluftlyrik, adaptiert

Der folgende Beitrag ist ein sehr besonderer Moment für mich. Angeregt durch mein Projekt der freiluftlyrik wurden die Studierenden von meiner freidenkenden Kollegin Ina Brauckhoff zu Weiterführenden der Idee. Raus aus dem Gebäude, rein in die Realität, Luft für die Gedanken und Texte. Lyrik soll interaktiv sein und sie braucht den (öffentlichen) Raum, um atmen und sich entfalten zu können.

Der zentrale Gedanke der freiluftlyrik ist: Lyrik ist genau an dem Ort, an dem sie entsteht. Sei es im Café, in der U-Bahn, beim Metzger oder im Kino. Jeder Text hat einen Ort, an dem er zum Vorschein kommt. Nicht ohne Grund haben berühmtere Namen Texte mit Orten verbunden. Und freiluftlyrik nimmt den Ort der Worte ernst.

Mit einiger Rührung und großer, großer Wertschätzung teile ich aus aktuellem Ergebnisanlass die Fotoreihe der Studierenden, nicht ohne Stolz, was aus einer kleinen Idee werden kann, wenn immer mehr Leute sie verfolgen. Mein Dank geht an Ina für ihre Umsetzung!

Ich gebe der Seminarleiterin selbst das Wort für ihre Erfahrungen und Gedanken:

„Freiluftlyrik“ 

Raus aus der Uni, rein ins Schreiberlebnis

Am 17. Dezember 2012 machte ich mich mit 15 Lehramtsstudierende des Hauptseminars „Kreatives Schreiben in der Schreibwerkstatt“, Fakultät für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache der Universität Duisburg-Essen, auf den Weg – raus aus dem Seminarraum, rein in die Essener Innenstadt.

Anregung war das Konzept „Freiluftlyrik“ von Amelie Hauptstock.

In kleinen Gruppen verteilten die Studierenden sich auf mögliche Schreiborte – die einen blieben draußen auf dem Weihnachtsmarkt, in der Fußgängerzone oder an ruhigeren Plätzen, die anderen zog es in den Weihnachtstrubel der Geschäfte oder in die warmen Cafés. Aus der Atmosphäre des jeweiligen Ortes zogen sie Ideen für Gedichte, Geschichten, Kurz- und Kürzesttexte. Ihre Gedanken brachten sie vor Ort zu Papier und ließen sie dort zurück. Nach einer Dreiviertelstunde traf sich die Gruppe wieder am Essener Hauptbahnhof. Erlebt hatten alle etwas. Die Begeisterung war spürbar, Fotos wurden gezeigt, Anekdoten erzählt, erste Überlegungen zu Konsequenzen für die spätere Unterrichtspraxis diskutiert – ein viel lebhafteres Gespräch, als es manchmal im Seminarraum zustande kommt. An einer Litfaßsäule wurde zusammen ein letzter Text geschrieben und aufgeklebt, Schreiben noch einmal kollaborativ erfahrbar.

In der darauffolgenden Seminarsitzung – zurück in der Uni – reflektierten die Studierenden den Schreibausflug. Spaß gemacht hatte es, sich von der direkten Umgebung zum Schreiben anregen zu lassen. Jeder fand schnell Anregungen, die aufs Papier gebracht werden wollten. Manchmal waren die Ideen schneller als der Stift. Aber auch andere Fragen beeinflussten das Schreiben: Wer wird meinen Text lesen? Wird er vielleicht weitergetragen? Oder wird er bald weggeworfen? Wie kurzlebig ist das, was ich hier mache? Und wo verläuft die Grenze zwischen Straßenkunst und Sachbeschädigung?

Der Schreibausflug „Freiluftlyrik“ ist eine der vielen praktischen Erfahrungen, die die Studierenden zu den Einsatzmöglichkeiten und -grenzen kreativer Schreibmethoden im Deutschunterricht sammeln und der verdeutlichte: Universität ist überall da, wo ausprobiert, gelernt und reflektiert wird.

Dass sie mit ihren künftigen Schülern zum Schreiben auch einmal den Klassenraum verlassen möchten, um vor allem wenig schreibbegeisterten Jugendlichen einen Zugang zu einem Medium des Selbstausdrucks zu ermöglichen, da sind sich die meisten sicher. Dass Schreiben im öffentlichen Raum aber immer auch ein Risiko ist, was Sozialkompetenz und Selbstverantwortung sowohl voraussetzt als auch fördert, ist ihnen ebenfalls bewusst.

Ina Brauckhoff

Ich ergänze: Den Freiraum für das eigene Wissen und den eigenen Ausdruck zu haben oder sich zu nehmen und das an andere weiter zu geben, das ist für mich ein wichtiger Bestandteil von ganzheitlicher Ausbildung, auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Mehr Mutige wie Ina Brauckhoff und ihre Studierenden braucht es!