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Daniel Brandl im 8 1/2

Veröffentlicht am 8. August 2013 Kommentare deaktiviert für Daniel Brandl im 8 1/2 Themen: , , , , ,

7.8.2013. Abends.

 

Da ist es.

Ganz nebenbei.

 

Dieses feine Lächeln, wenn die Musik,

das Instrument, die Welle

ihn mitnimmt und trägt.

Dieser Moment,

in dem er nicht mehr ist,

sondern nur noch

der Körper des Cellos.

Sein Körper für das Cello.

Die Untrennbarkeit

von Instrument und Musiker.

Liebender der Improvisation.

Frei im Spiel und in den Möglichkeiten

und Nicht-Möglichkeiten seines Instruments.

 

Da ist es.

Ganz nebenbei.

 

Dieses feine Lächeln,

wenn die Musik, das Instrument,

die Welle

uns mitnimmt und trägt.

Listen to your business

Veröffentlicht am 6. August 2013 Kommentare deaktiviert für Listen to your business Themen: , , , , ,

This article was inspired by a talk by Evelyn Glennie, a deaf or whatever we that are not deaf might call it percussionist, who learned and studied music by learning to hear with her whole body.

This made me think. As a normal, abled person I never was in the need to hear in a different way, to see in a different way, to talk in a different way. I was never pushed to accomodate to the standard. At least not by my physical abilities. But what impressed me most, was Glennie’s exposition of how important experimenting and therefore experiencing with all your possible senses and physical and emotional ways in general is. And for me, it just struck my mind, that we do not only have that in music, art or literature. We also have that in our professional lives, in our businesses. If I experience myself and my business, my work with all senses and if I listen to what sounds, metaphorical or real, there are, I might be able to offer more to a service, a product an idea than the simple explanation. I can offer my very own interpretation, I can offer what I really want to do and how I want to do it and what I need to do it. Trying to use more parts than just our hands to clap, this can train your abilities to think about the „what else?“ What else is there to empower me? What else is there to realize my idea, my vision? Who else is there to help me?

This might be a complex way of seeing the world and it might take longer than to just look from one superficial perspective. But it offers so much more understanding and experience of your own that I doubt it is not worth a try.

So, why not bring the idea of full-body-experience into business? Why not begin to think: What else could I do to make this project happen? What else can I try to motivate my colleague? What do I experience in my body when I talk to the clients and they are not happy with my work? What do I experience when they are happy with my work? It’s not about judging, it’s about experimenting: What is there? What is good? What isn’t?

So let’s allow ourselves to understand that we are more than just one perspective, more than just one sound and listen to us and to the sound of our businesses, of our jobs, of our lives. Doesn’t it sound interesting, impressive, familiar, warm, creative, powerful, maybe sad, but still full of light? I bet it does.

Here is the full talk by Evelyn Glennie:
http://on.ted.com/dhEZ

 

How words evolve

Veröffentlicht am 2. Juli 2013 Kommentare deaktiviert für How words evolve Themen: , , , , , , , ,

Seit dem letzten Beitrag ist eine Weile vergangen. Also teile ich sehr gerne einen kurzen Beitrag, einen Impulsvortrag, wie Worte und ihre Bedeutung sich verändern und warum sie das tun, welche Wege sie dafür gehen können/müssen. Ich fand es schon immer faszinieren zu sehen, wie selbst die kleinste Verschiebung der Bedeutung sich im kollektiven Verwendungs- und Bedeutungsgedächtnis wiederfinden lässt und wie unsere Fähigkeit zur Sprache ein tief verwurzeltes soziales System erschafft. Unglaublich, was Sprache alles kann, oder?

http://blog.ted.com

It’s been some time since my last news, so I want to share with you at least a small talk about how words evolve and change. I always found it fascinating how words change and how this change spreads to all speakers of the language. Even the slightest variation in meaning can become part of the common sense. Isn’t that unbelievable? How our social system „language“ works?

 

 

Ankündigung: Vortrag an der FOM Dortmund über Interkulturelle Kommunikation

Veröffentlicht am 27. Mai 2013 Kommentare deaktiviert für Ankündigung: Vortrag an der FOM Dortmund über Interkulturelle Kommunikation Themen: , , ,

Bei der offiziellen Ankündigung bekomme ich fast schon Angst ob der Erwartungshaltungen, aber dennoch freue ich mich auf meinen Vortrag über Interkulturelle Kommunikation an der FOM Dortmund!

 

Neue Gründer braucht das Land?

Veröffentlicht am 22. Mai 2013 Kommentare deaktiviert für Neue Gründer braucht das Land? Themen: , , ,

Der Gründungsmonitor 2012 wurde veröffentlicht. Neben der – nicht überraschenden – Feststellung, dass es im letzten Jahr weniger Gründungen gab, de facto sogar so wenig Gründungen wie seit dem Jahr 200 nicht mehr, interessierte mich vor allem eine Zahl: 31.

Zurück in die Vergangenheit

Es ist nur verständlich, dass die Zahl der Gründungen zurückgegangen ist, da sich die Fördermöglichkeiten stark nach unten verändert haben. Auf der anderen Seite: sollte nicht eigentlich eine herausfordernde Ausgangssituation das Gründen erst recht beflügeln? Dass auf dem Arbeitsmarkt auf einmal wieder mehr Arbeitsplätze zur Verfügung standen und die Gründungen bei gleichzeitiger Gründungszuschusskürzung zurückgingen, bringt bei mir die Frage auf: Warum werden alte, starre Systeme gefördert? Ich bin keine Verschwörungstheoretikerin, aber es macht mich, ehrlich gesagt, nicht gerade gut gelaunt, anzunehmen, dahinter stecke ein System. Das alte System, dass sich durch ein neues, dynamisches, ideenreiches Denken und Handeln nicht bedroht wissen will.

Und irgendwie sprechen die Zahlen dafür, dass es funktioniert. Denn was die Zahlen eigentlich aussagen ist: Selbstständigkeit ist mir zu unsicher. Ich gehe zurück in ein geregeltes Arbeitsleben. Erschreckend! Denn auf dem Arbeitsmarkt ist, wie wir alleine in den vergangenen 10 Jahren gelernt haben, nichts mehr für die Ewigkeit. Und die ebenso brennende Frage in mir: Wovor haben die GründerInnen denn Angst? Das sollte uns alle interessieren! Wovor haben GründerInnen oder ArbeitnehmerInnen so eine große Angst, dass sie lieber in ein altes System zurückgehen, dass ihnen eigentlich keine Sicherheit mehr geben kann (und will)?

Was wollen Sie? Gründen? Witzig.

Was der Gründungsmonitor für mich deutlich zeigt: Es liegt nicht an den fehlenden Zuschüssen (die erleichtern einen Einstieg zwar und sind gerade bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus bestimmt auch notwendig), aus meiner Sicht liegt es an dem Fehlen einer angemessenen Betreuung, Beratung, positiven Unterstützung. Dauerhaft. Nicht nur in den ersten 3 Monaten der Planung oder der bürokratischen Umsetzung. Es liegt, so wie ich das sehe, am fehlenden Mut, an einer erlebten Unsicherheit. Warum erlebte Unsicherheit? Weil es rein von den Fakten her keine Unsicherheit gibt. Wir fallen alle weich (es gibt Ausnahmen, ich weiß). Aber in der Regel fallen wir alle weich. Wir werden von einem sozialen System aufgefangen.

Warum also erleben wir uns nicht als in (Gründungs-)Sicherheit?

Ehrlich gesagt: ich habe keine Antwort auf diese Frage. Ich bin freiberuflich. Und selbstständig. Und mehr als einmal habe ich den Gedanken gehabt, doch wieder in eine Anstellung zurückzugehen. Verlockende, falsche Sicherheit. Der Ruf der Sirenen.

Das Gute: Mein Unterbewusstsein, ich könnte auch sagen mein Ich, hindert mich daran. Denn mein Ich weiß, dass ich meinen Weg gehe, auch wenn ich den in aller Unsicherheit nicht immer sehe. Warum ich das weiß? Weil ich unterstützt wurde, weil ich darum gebeten habe und weil ich dafür gesorgt habe, dass ich Förderung bekomme, aus unterschiedlichen Richtungen, nicht nur finanzieller Art. Denn viel wichtiger als die Finanzierung ist die Betreuung bei der Frage: Was mache ich damit? Wieviel brauche ich zum Leben? Wieviel will ich brauchen? Wie schaffe ich es nach dem Anfang? Was für Möglichkeiten habe ich, wenn ein Auftrag nicht kommt? Wie kann ich lernen, mir selbst und meinen Netzwerklern zu vertrauen? Brauche ich ein Team, mache ich das alleine?

Dafür brauchen wir Unterstützung. Um uns selbst zu helfen und eigenständig, selbstständig und selbstbewusst aufzustehen und „unser Ding“ zu machen. Das Herausfordernde, nein, diesmal benenne ich es tatsächlich als Problem: Wir lernen in keiner einzigen Bildungsinstitution, zu uns selbst zu finden, eine eigenständige Persönlichkeit zu entfalten. Was mir stattdessen lernen: Wie wir im System funktionieren.

31. 31 %. Das ist die Zahl der Gründungen, die nach 3 Jahren wieder verschwinden. Ein Drittel. Wenn diese Zurückgehenden bessere Kompetenzen mit sich bringen als andere, zum Beispiel, warum werden dann diese Kompetenzen nicht grundsätzlich, bei allen gefördert? Ich bin immer wieder überrascht, manchmal traurig, manchmal wütend, wie wenig Mut unseren Studierenden gelassen wird, etwas Anderes zu machen als es in den Studienordnungen steht. Ich bin da nicht alleine mit dieser Meinung. Julian Nida-Rümelin sieht es sehr genau so. Wir hatten das mal anders gedacht, die Bildung und freie Entfaltung und so.

A New Dawn

Und immer wieder wird mir klar: Da muss sich dringend, DRINGEND etwas ändern! Wir können nicht von uns und unseren Kindern verlangen, dass alles, was uns vorgesetzt wird, einfach so hingenommen wird und dass sich niemand dagegen regen wird. Also wenn Sie mich fragen: Ich rege mich. Zuerst rege ich mich auf und dann rege ich mich in der Form, dass ich die Systeme nicht auf mir sitzen lasse. Wenn Sie sich auch aufregen und sich auch regen wollen, dann schließen Sie sich mir gerne an.

Die Zeit für eine Neuorientierung unseres Bildungssystems ist gekommen! Auffi.

Das Bild der Bildung

Veröffentlicht am 22. Februar 2013 Kommentare deaktiviert für Das Bild der Bildung Themen: , , , ,

Diskurs zwischen Dennis Przystow und mir. Auf ständiges Selbst sein und die Frage, wie Arbeit heute aussieht oder aussehen kann, stellt sich mir die ergänzende Frage, wie eigentlich unsere Bildung aussieht.

Eine stark gekürzte Einschätzung.

 

Seit ein paar Jahren bin ich als Dozentin tätig. Fast vier. Davor war ich Jugendtrainerin, Nachhilfelehrerin, Schülervertreterin. Immer wieder bin ich in Lehr-und Lernkontexten unterwegs und immer häufiger stelle ich mir die Frage: Was passiert da eigentlich, in unserer Bildung, mit unserem Bildungswesen? Wie bilden wir unseren Nachwuchs aus, was heißt das für unsere Gesellschaft in 10, 20 Jahren? Wo soll das eigentlich alles hinführen?

Um meine Schlussfolgerung vorweg zu nehmen: Ich bin der Überzeugung, dass wir Wissen nicht richtig vermitteln und dass wir auf die falschen Komponenten setzen. Damit ich nicht missverstanden werde: Fachwissen ist unumgänglich! Zu wissen, wie man richtig zitiert hilfreich, sauberes Formulieren und wissenschaftliche forschen eine erlernbare Kunst. Ich zweifle nicht an den Gegenständen an sich. Aber ich wehre mich dagegen, dass Wissen nicht mit Spaß und vor allem mit persönlichem Erfolg und noch vor allemner mit wirtschaftlicher Einsetzbarkeit zu tun haben darf, kann. Für mich ist die Möglichkeit, das zu machen, was einem liegt, was wir alle unbedingt irgendwo in uns drin haben, der Drang zur Verwirklichung, das bekommt von mir die oberste Priorität. Dass das nicht immer klar ist, verstehe ich nur allzu gut. Dafür werden wir seit dem Kindergarten, spätestens jedoch seit der Grundschule dazu erzogen, unsere Eigenarten in die Masse anzupassen. Noch mal: Keine Kritik an den einzelnen ausführenden Personen. Ich zweifle nicht an fähigen, einfühlsamen PädagogInnen. Ganz im Gegenteil. Ich bezweifle das System der Langeweile. Der Konformität. Der Egalität. Wir sind nicht alle gleich. Grundgesetzlich, ja! Aber unsere Fähigkeiten unterscheiden sich von klein auf.

Wenn wir also in einer aufgeklärten Westwelt leben, in der uns alle Türen und Tore offen stehen, dann frage ich mich, warum ich in meinen Seminaren an der Uni noch immer zu hören bekomme: Ich studiere auf Lehramt, weil ich sonst keine Kinder finanzieren kann. Weil ich jetzt schon weiß, welche Rente ich bekommen werde, ich denke, ich gehe in eine Anstellung, bei uns bekommt man doch eh keinen guten Job.

Mich machen diese Äußerungen nachdenklich und traurig zugleich. Ohne wirklich mit dem Bildungswesen theoretisch mich befasst zu haben, erfahre ich doch, was mit jungen Menschen, voll von Druck und Erschöpfung und Existenzangst, geschieht. Was erwarten wir denn eigentlich?

Natürlich gibt es die Ausnahmen. Die, die alles hinbekommen. „Heißdüsen“ hat mein ehemaliger Mitbewohner diese Leute genannt. Dass sind, mit voller Anerkennung für diese Lebensdisziplin, diejenigen, die schon mit Studienabschluss auf Stellenausschreibungen passen, in denen mind. 9 Monate Volontariat, 3 Jahre Beurfserfahrung in der entsprechenden Branche, kreativ, außergewöhnlich, Organisationstalent, bereit zu Überstunden, überdurchschnittlich engagiert, mit Willen zur Führungskraft steht. Ich war das nicht und ich bin mir sehr sicher, sehr viele Uni-AbgängerInnen und AusbildungsabsolventInnen sind das auch nicht. Und ich finde: das müssen sie auch nicht sein. Nein, sie dürfen es nicht sein! Junge Menschen sollten in keine stellverschraubte Schublade der apriori-Perfektion passen, sie sollten sich weiter entwickeln dürfen. Sie sollten „Fehler“ machen. Jeden Tag. Um zu erleben: es geht weiter. Ich gehe weiter.

copyright: Charles M. Schulz

Wenn ich ein Seminar halte, dann ist mir nicht nur wichtig, dass die Studierenden die Fachbegriffe beherrschen und mir zeigen, dass sie etwas gelernt haben. Mir ist vor allem wichtig, dass sie etwas über sich gelernt haben und dass sie im Austausch festgestellt haben: da geht noch mehr. Da geht noch mehr! Mut und Selbstbewusstsein, das sind für mich die wichtigsten Güter. Das Wissen kommt dann, ich übertreibe, wie von selbst. Aber ich bin überzeugt davon, dass der Wille zu Lernen, und zwar oberflächlich wie auch tief wissenschaftlich, dann von selbst kommt, wenn ich das richtige Thema für mich gefunden habe. Ich sage (noch) nicht: schafft die Unis ab! Ich sage aber: Gebt Studierenden, SchülerInnen, DozentInnen die zusätzliche Möglichkeit, die Neugier auf ihr Fach zu erhalten oder neu zu erwecken und selbst zu erfahren, wie sie ihr Fachwissen individuell einsetzen können, um erfolgreich zu sein.Gelangweilte Menschen sind der Stillstand eines jeden Systems. Politische Revolution mit gelangweilten Menschen? Geht nicht. Gibts nicht.

Was für jede Arbeit gelten sollte, setzt also schon früher an: Auch unsere Bildung und wie wir mit ihr umgehen zeigt uns, wo wir eigentlich gerade stehen. Wir sind eine Dienstleistungsgesellschaft. Aber wie kann ich mich selbst anerkennen, wenn die Leistung des Dienstes, des Service so entwürdigt wird, wenn der Titel mehr wert ist als das tatsächliche Handeln? Wo kommen wir da eigentlich hin?

 

 

*hauptwort-Seminare bei der HKBiS

Veröffentlicht am 12. Februar 2013 Kommentare deaktiviert für *hauptwort-Seminare bei der HKBiS

Hamburg, im April diesen Jahres.

Mit Materialien zur Authentischen Gesprächsführung bepackt wird sich *hauptwort auf den Weg in den Norden machen, um allen Teilnehmenden einen ganzen Tag lang mit ihrer bisherigen Gesprächsführung vertraut zu machen und Impulse zum aufmerksamen, interaktiven Gestalten „rundlaufender“ Gespräche zu geben.

Man findet diese Kurse hier und hier!

Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Zeit und die Menschen in Hamburg!

 

Die Konfrontation mit dem Selbst. Ständig.

Veröffentlicht am 27. Januar 2013 Kommentare deaktiviert für Die Konfrontation mit dem Selbst. Ständig. Themen: , , ,

Dieser Beitrag geht einem Beitrag von Dennis Przystow voraus, der noch nicht veröffentlicht wurde.

Selbstständigkeit mal anders verstanden.

Ich hatte eine kleine, feine Vorahnung: Da kommt was auf dich zu. Aber ich war gewappnet, alle formalen Angelegenheiten waren erldigt oder in Bearbeitung, fachliche Unterstützung gab es auch, und ich hatte wenig zu verlieren. Also: nächste Station Selbstständigkeit.

Der Anfang

Der übliche Trubel am Anfang. Kontakte knüpfen, Aufträge akquirieren, herausfinden, was für einen selbst funktioniert und was nicht. Handeln statt Grübeln. Gar nicht so leicht manchmal. Ich erinnere mich noch daran, wie ich mein Telefon durch hypnotisches Anblicken dazu überreden wollte, die herausgesuchten Telefonnummern potentieller Neukontakte selbst zu wählen und das alles ohne mein Zutun zu erledigen. Wer mich kennt, kann sich das eher schwer vorstellen. Als auffällig kommunikative Person nicht telefonieren zu können, das hat schon was. Aber irgendwann klappte es doch und alles fing an zu laufen.

Gerade in der Anfangsphase wurde ich mit vielen gut gemeinten Hinweisen überhäuft, ebenso wie mit Sorgen und Ängsten. Der wohl berühmteste Spruch: Selbstständig ist man Selbst und ständig. Eigentlich impliziert das, dass man als Selbstständiger 24/7 arbeiten muss, weil das (Berufs-)Leben als Selbstständiger nun mal daraus besteht, dass man seine Träume zum Beruf macht und deshalb ununterbrochen arbeitet. Ich sehe das anders, aber dazu ein ander Mal.

Selbst. Ständig.

Was ich erst später an dieser Floskel verstand: Du bist Selbst, und das ständig. Als ich mich selbstständig gemacht habe, war ich von dem Moment an in einer Art mit mir Selbst, mit meinem Wesen konfrontiert, die ich bis dahin so intensiv nicht erlebt hatte. Es gibt hier mit Sicherheit unterschiedliche Typen, aber da mein Beruf sehr viel mit der Identität von Menschen zu tun hat, kommt es zwangsläufig zu einer Spiegelung des eigenen Selbst in dem Auseinandersetzen mit dem anderen. Das Selbst ist auf einmal im Fokus. Und das ständig. Eine Masse an Fragen entstand bei mir. Mache ich das richtig? (Eine Frage ohne Mehrwert, denn die Antwort darauf ist: ja und nein. Denn es ist egal, solange du etwas machst. Erst dann kann man sehen, ob die eine Idee für einen persönlich funktioniert oder eben nicht.) Werde ich erfolgreich sein? Wo finde ich passenden Kontakte? Hat er mich verstanden? Muss ich mich verstellen, um nicht zu auffällig zu sein? War das zu sehr ich gerade? Was habe ich gesagt, dass sie so reagiert? Wie kann ich das ändern? Was ist der nächste (kommunikative) Schritt? Wie bin ich? Wer bin ich? Puh! Und damit bin ich bei den existentiellen Fragen gelandet. Beim Selbst. Und dieses befindet sich nun dauerhaft in aktiviertem Status.

Meine große Aufmerksamkeit gegenüber kommunikativem Verhalten macht es manchmal spannend, manchmal aber auch schwer für mich, nicht alles auf mich persönlich zu beziehen. Man weiß, wo man steht, wenn man sieht, wie andere auf einen reagieren, wenn man ihnen etwas anbietet, was sie wollen oder was sie nicht wollen. Verkaufen kann viel über das Selbst erzählen. Jeder Kundenkontakt kann neue Aspekte des Selbst aufzeigen, mit denen man vorher nicht gerechnet hat.  Was das Gute an der Spiegelung durch Andere ist: Sie reagieren auf mein Verhalten in dem spezifischen Moment, nicht aber auf mein Selbst als philosophische Entität, auf mein Wesen, das ist, wenn man so will. Ich bekomme also ein direktes Feedback für mein Verhalten in der jeweiligen Situation und kann daraus lernen, auf gewisse Dinge noch mehr zu achten, an entscheidender Stelle nachzuhaken oder loszulassen. Ich kann daraus auch Konsequenzen für langfristig festgesetzte Verhaltens- oder Gedankenmuster ziehen. Aber eines bleibt den Anderen doch verschlossen: der Zugang zu meiner Person.

Die Grenze des Selbst

Diese Unterscheidung festzusetzen ist mitunter aufwendig und lang andauernd. Ich bin überzeugt, dass viele den Unterschied nicht erkennen oder bemerken zwischen der situativen Person und der untemporären Persönlichkeit. Deswegen rate ich auch nicht jedem Menschen, sich selbstständig zu machen. Wer jedoch ein Interesse oder ein unstillbares Bedürfnis daran hat, seine eigenen Grenzen und vor allem Weiten zu erfahren, wer weiterkommen möchte, wer sich selbst frei entfalten möchte in dem eigentlichen, unbedingten Wortsinn, wer bereit ist, Abenteuer und Risiko miteinander zu vereinbaren, wer sich in den Gegenwind stellt um sein eigenes Rückrat zu stärken, wer nach Niederlagen aufsteht und weitergeht, wer sein Selbst gleichsam fürchtet und sich darauf freut, der wird sich in der Selbstständigkeit vermutlich besser zurecht finden als in einem Angestelltenverhältnis. Das wichtige aus meiner Sicht ist: Wenn man erkennt oder erahnt, wer, wie, was man selbst ist, dann kann ich mich dagegen wehren und wie in einem Wasserstudel kräftezehrend herausschwimmen wollen oder ich kann mich annehmen und aus den scheinbaren Nöten kennzeichnende Tugenden werden lassen.

Ich würde gerne sagen: Ich habe das bereits hinter mir. Doch wir erinnern uns: Wir sind Selbst, und das ständig. Sich selbst zu sehen ist ein Prozess. Die Selbsterkenntnis ist jedoch, nach graecophilosphischem Ansatz, der notwendige Schritt zur Selbstverwirklichung.

„Du sollst der werden, der du bist“ (Nietzsche)

Sprachlich betrachtet hängen diese Begriffe – Selbsterkenntnis, Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit – natürlich dadurch miteinander zusammen, dass sie das Selbst als Vorsilbe einbinden. Das Selbst steht am Anfang. Das Interessante an der Selbstständigkeit: Sie hat ja nicht nur mit einem ständigen Selbst zu tun (im Sinne einer Identität), sondern auch mit dem (festen) Stand, mit Beständigkeit, mit Sicherheit. Interessant hieran: In unserer Kultur gilt das Selbstständige als das Unstete, das Freie und damit das Unbeständige. Doch die Worte sagen uns etwas Anderes: Wer alle hinreichenden und notwendigen Kriterien erfüllt, wer sich in ständiger Auseinandersetzung mit seiner Umwelt zu dem geformt hat, der er/sie selbst ist, der wird sicher sein. Denn dann wissen wir: Es kann nichts passieren, egal, was kommt, innen wie außen. Das dauert zum Glück ein Leben lang.

 

Es hat ja niemand gesagt, dass es leicht wird.

Aber es ist möglich.

Arbeit, heute.

Veröffentlicht am 23. Januar 2013 Kommentare deaktiviert für Arbeit, heute.

Eine Antwort auf den Artikel Effektives und effizientes Arbeiten

Arbeit als neues Hobby

Eines fällt mir immer wieder auf. Viele meiner privaten Termine werden abgesagt oder verschoben, weil jemand noch arbeiten muss oder doch länger in der Firma sitzt oder am Wochenende noch etwas abarbeiten möchte, damit die neue Woche nicht so voll beginnt. Ich merke das auch bei mir, manchmal. Dass ich denke: ach, am Sonntag hast du dafür Zeit. Und oh je, vormittags durch die Straßen bummeln zum Einkaufen? Darf ich das? Die anderen sitzen ja im Büro. Sollte ich wohl auch besser machen. (Um das vorweg zu nehmen: ich gehe trotzdem tagsüber, wenn es leer ist, einkaufen. Denn die Freiheit dazu tut mir gut. Und genau dieses Gefühl will ich mitnehmen, wenn ich wieder sichtbar arbeiten und denken muss.)

Was mich an dieser Einstellung immer mehr irritiert: Die Arbeit bestimmt unseren kompletten Alltag. Früher hieß es: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Gut, ich frage mich sowieso, warum das ein Widerspruch sein muss. Aber was passiert wohl, wenn nach der Arbeit vor der Arbeit ist? Wenn das Vernügen darin besteht, dass ich gerade noch ins Bett kriechen kann, um am nächsten Tag vor Sonnenaufgang wieder aufstehen zu müssen? Ich rede nicht von Managern oder der Bundeskanzlerin. DIE haben bestimmt ganz schön harte Tage. Obwohl Frau Merkel – so stelle ich mir das mal vor – bestimmt jeden Abend mit einem Lächeln einschläft und sich denkt: „Ok, Thema eins und zwei sind noch nicht durch, aber Heidewitzka, ich mache das, was mir am meisten Spaß und Zufriedenheit bereitet. Und ein bißchen toll finde ich es auch, dass ein paar sehr wichtige Menschen ein bißchen Angst vor mir haben. Ha!“ Und dann fällt sie in einen erholsamen Schlaf.

Aber, wie gesagt, es geht mir nicht um diese großen EntscheidungsträgerInnen, sondern um uns, um alle anderen. Wieso hat Arbeiten, Schuften, sich Verausgaben einen so hohen Stellenwert bei uns? Warum sind Rückenschmerzen und psychische Stressreaktionen unser neues Statussymbol?

Selbstverwirklichung als Maß aller Dinge

Bildungssysteme, Medienbilder, Politik, alle kreieren das Bild der „ehrlichen Arbeit“. Doch was genau heißt das? Wofür arbeiten wir? Leben wir um zu arbeiten oder arbeiten wir um zu leben? Machen wir das, was uns gefällt, zu unserem Beruf, sodass wir durch den damit erzeugten Spaß und die Energie dauerhaft erfüllt sind? Ich meine auch nicht einen Traumberuf, denn ich möchte lieber einen AusdemLeben-Beruf denn einen aus meinen Träumen (da kann ich nämlich unsichtbar werden, aber bisher ist mir das noch nie in der Realität geglückt).

Sie kennen vielleicht die Pyramide nach Maslows „Bedürfnishierarchie“? Von unten anfangend sind Gesellschaften darauf ausgelegt, dass jede Stufe erfüllt wird. Unsere Gesellschaft, die westliche, wohl genährte, steckt in der obersten Spitze. Die Selbstverwirklichung. Wir leben in relativ stabielen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, das Individuum hat sich in den letzten 250 Jahren immer stärker entwickelt, Gleichberechtigung ist eine andauernde Bewegung, jetzt können wir uns ganz dem widmen, was wir eigentlich wollen. Der Haken: Jahrzehnte, vielleicht sogar schon jahrhundertelang wurde uns beigebracht, dass Selbstverwirklichung in der Arbeit zu finden sei und dass diese Arbeit hart sein muss.

Aber Selbstverwirklichung kann nicht durch bloßes Abarbeiten entstehen. Und eigentlich auch nicht in Yoga-Kursen wiederhergestellt werden, wenn im Rest des Alltags das Selbst ignoriert wird. Doch wie erreiche ich Selbstverwirklichung, wenn es gesellschaftlich nicht gerne gesehen wird, wenn man das macht, was man will und damit auch erfolgreich (was immer das für jede/n einzelnen heißen mag) sein möchte? Und woher weiß man eigentlich, was man machen möchte?

Zeit ist Geld. Gutes Arbeiten heißt Zeit haben

Die Wahrnehmung unseres Arbeitens führt uns also immer öfter existentiellen Fragen. Was heißt Arbeiten heute? Ist unsere Arbeit weniger anstrengend, weil wir nicht mit der Spitzhacke vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang hackend im Stollen stehen? Haben wir, generationell und erfolgswirtschaftlich betrachtet, dauerhaft und prinzipiell ein schlechtes Gewissen gegenüber denjenigen, die sich keinen Burnout leisten können?

Es stellen sich mehr Fragen als Antworten zu dem Thema. Doch eine Antwort habe ich für mich selbst definiert: Gutes Arbeiten heißt Zeit haben. Zeit für die Sache, Zeit für die intensive Auseinandersetzung, aber  vor allem Zeit für Dinge, die mir danach gut tun. Effektives Arbeiten geht, selbstempirisch betrachtet, einher mit effektivem Entspannen und Genießen, den ersten beiden Teilschritten der Selbstverwirklichung. Was das konkret heißt: Wann immer ich merke, dass es nicht weitergeht mit einem Gedanken, mit einer Situation oder wenn sich ein generelles Unwohlgefühl einstellt, dann die Selbstehrlichkeit zu besitzen und etwas für sich zu unternehmen. Und sei es das Wandern um den Block, sei es der Sprachkurs an der vhs.

Selbstverwirklichung in der Arbeit heißt für mich nicht, dass die Arbeit mein Leben bestimmt, sondern mein Leben die Arbeit als einen Teil des Ganzen integriert. Selbstverwirklichung heißt, den Mut zu haben, neue Wege zu gehen. Ob durch Verkürzung der Arbeitszeit oder Bündelung der Arbeitstage, ob durch innere und äußere Grenzen zwischen Arbeit und Sein, was immer es ist. Der Vorteil für unsere Spitzen-Gesellschaften ist doch der, dass wir die Möglichkeiten haben, Selbstverwirklichung in die Tat umzusetzen. Dass wir aber in vielen Fällen alles dafür geben, um unsere Fähigkeiten wegzupacken, also Wegleben oder Entkräften, ist eigentlich eine Tragödie und ein Schlag ins imaginäre Gesicht tieferer PyramidensitzerInnen.

Arbeit, heute.

Das heißt für mich: Arbeit, wie ich sie möchte. Unabhängig von Stundenkonventionen und unnötigen Zeitdrücken. Arbeit, heute heißt für mich auch:  Den Gegenstand der Arbeit und die damit verknüpften Menschen ernst nehmen, um mit jeder Arbeit ein Stück Verwirklichung zu erreichen.

So far.

amelie hauptstock

*hauptwort