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Author Archives: amelie

Diese Dichter! Diese Lügner!

Veröffentlicht am 24. Juli 2012 Kommentare deaktiviert für Diese Dichter! Diese Lügner!

Ich danke meinem Studenten Benjamin Thimm für seine Ausführungen zu seinem Diskussionsthema „Sind Dichter Lügner?“ Im Seminar wurde die These engagiert diskutiert und führte in erster Linie zu noch mehr Fragen. Sagen Dichter nicht vielmehr die Wahrheit und lügen stattdessen Theologen und Historiker? Sind Gedanken real oder haben sie nur eine fiktive Existenz? Können wir nur im Rahmen unserer körperlichen Erfahrung denken? Spannende Fragen, die auf weitere Diskussionen neugierig machen. Zumindest mich.

Hier der Beitrag:

Dichtung: Lüge, Wahrheit oder etwas dazwischen? Sind gar alle Dichter Lügner? Kann es tatsächlich Gründe geben, Fiktion als faktual zu bewerten oder muss klar zwischen beiden differenziert werden?

Ein erster Gedankengang, der diese Frage beantworten kann, findet sich in der so genannten Apparatus-Theorie, z.B. bei Jean Louis Baudry. Vereinfacht formuliert besagt dieser Ansatz, dass ein Rezipient während der Rezeption von Film keine Trennung zwischen sich, der Realität, und dem Film, der Fiktion, wahrnimmt. Die beiden Dimensionen verschwimmen, lösen sich auf, ja schieben sich geradezu ineinander. Das Gesehene erscheint einheitlich und kohärent. Wer sich schon mal beim Schauen eines Filmes erschreckt hat, wird diesen Gedankengang gut nachvollziehen können.

Untermauert wird diese These in gewisser Weise von Immanuel Kant, der in seiner Schrift Kritik der reinen Vernunft von der so genannten aktiven Sicht der Dinge spricht.  Dieser Ansatz postuliert im Wesentlichen, dass wir Menschen hinsichtlich unserer Wahrnehmung insofern determiniert sind, als dass wir, bedingt durch die zur Verfügung stehenden Sinne, die objektive Welt nur Ausschnittweise erleben. Wir nehmen also die Phänomene unabhängig davon wahr, wie die Dinge an sich tatsächlich sind.

Verhält es sich nicht so nun auch bei Literatur, Dichtung, ja jedem fiktiven Werk? Sind nicht gar alle Gedanken in gewisser Weise real? Ein (fiktives) Alien kann durchaus völlig real im Kopf eines Menschen existieren – ganz unabhängig davon, ob es in einer weit weit entfernten Galaxie tatsächlich extraterrestrisches Leben gibt oder nicht.

Treten nicht in gewisser alle fiktiven Charaktere oder Ereignisse geradezu metaleptisch, wie es bei Gérard Genette genannt wird, aus dem Buch heraus und wirken auf uns, als reale Personen, ein?

Wenn diese Überlegungen jedoch stimmen sollten, wie verhält es sich dann mit Theologen oder mit Historikern? Wenn (erzeugte) Gedanken als faktual gelten müssen, muss dann nicht alles, aber auch wirklich alles, was jemals gedacht oder gesagt wurde real sein oder zumindest als solches bewertet werden? Wird nicht im Sprachgebrauch eine Lüge als das Ausgeben von Fiktion als Fakt definiert? Und benötigen wir nicht zwingendermaßen die reale Welt als Ressource, die unsere Phantasie beflügelt, die, wie es bei E.T.A. Hoffmann heißt, als Himmelsleiter fungiert, auf der wir in phantastische und fiktionale Welten emporsteigen können?

Eventuell löst sich die Problematik auf, wenn Dichtung und Fiktion als Realität zweiter Stufe angesehen werden, die unabhängig von der realen Welt bestehen, aber durch diese erst inspiriert und ermöglicht werden?!

Tabus, Kunst und Watzlawick

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Im Sommersemester 2012 habe ich ein Seminar geleitet mit dem Titel „Sprache, Kommunikation und Bewusstsein“. Ein spannendes Thema, was zu ebenso spannenden Diskussionen in den Sitzungen führte.  Um nachhaltig an den ganzen Gedanken festzuhalten, schreibe ich regelmäßig Zusammenfassungen der Sitzungen. Hier ist eine davon.

Darüber spricht man nicht!

Tabus bringen uns an unsere Grenzen. Für jeden gibt es ein anderes Tabu, das durch eine Unmöglichkeit des Darüberredens gekennzeichnet ist 10 Fragen haben meinen Kurs (und mich) herausgefordert, die eigenen Tabus zu erkennen und die eigene und fremde Reaktion darauf zu hinterfragen.

Haben Sie sich in dieser Woche schon selbst befriedigt?

Sexuelle Themen unterliegen gesellschaftlichen Tabus. Über das, was man im Bett tut (oder auch nicht) wird nicht gesprochen in der Öffentlichkeit. Der Mantel des sprachlichen Schweigens umhüllt unsere Gedanken und Taten. Ja oder Nein waren die einzigen Antwortmöglichkeiten auf die obige Frage. Ähnlich wie bei Garfinkels Brechungsexperimenten (Gewohnheiten werden bewiesen, indem man sie annimmt und dann bewusst bricht, zum Beispiel das Distanzverhalten während des Miteinanderredens) werden durch die Fragen des Tabu-Studenten die Grenzen aufgezeigt, die sonst zwar allgemein, da konventionell bekannt sind, aber über die, per se, nicht gesprochen wird. Das hat mit Gesichtsverlust, Entblößung und sozialer Angst vor einem schlecht Dastehen zu tun. Konzeptionelle Angst vor Peinlichkeit, das ist es, was uns hemmt, in allen Bereichen die faktische Wahrheit zu sagen. Mit einer Ausnahme: Extremsituationen setzen gesellschaftliche und private Tabus außer Kraft. Wer wirklich Angst hat, der überlegt nicht ob es peinlich sein könnte über seine Körpersäfte zu reden. Wer ein notwendige Funktion im Mitteilen von Tabus sieht, wird sich von „darüber spricht man nicht“ wenig beeindrucken lassen. Extremsituationen verringern die sozialgesellschaftliche Fallhöhe. Tabus verändern sich mit den Menschen, die mit ihnen leben.

Werk im Netz

Ebenso verändert sich unsere Wahrnehmung von bestehenden, als fest angenommenen Strukturen. Zum Beispiel dann, wenn technische Veränderungen auftauchen. Was macht das Internet mit unserem Urheberrecht? Welchen künstlerischen Stellenwert haben Texterschaffungen, die online und damit weltweit zugänglich sind? „Solange Kopieren einfacher ist als kaufen, wird das eine dem Anderen vorgezogen werden“, war eine Meinung. Solange wir den tatsächlichen Wert von Kunst nicht anerkennen, werden wir auch keine Kunst erfahren, ist meine Meinung. Interessant war hierzu die Anmerkung, dass die aktuellen Entwicklungen bestehende Grundlagen anzweifeln lassen. Urheberrecht im bestehenden Sinne muss neu überdacht werden, vielleicht in Form einer „Kulturflat“. Die Bedeutungen und Begriffe der alten Tage müssen mit neuen, passenden Inhalten belegt werden. Auch das ist die Aufgabe der Sprache: Self-Actualization.

Wir kommunizieren immer und überall

Selbst-Aktualisierung bedeutet auch, die Adäquatheit des Ausdrucks anzugehen. Nach Watzlawicks These können wir nicht nicht kommunizieren. Mit jeder Bewegung, jeder mimischen Äußerung, jedem kleinen Wink übermitteln wir Informationen. Die sehr allgemeine Definition von „Kommunikation“ bringt für mich im ersten Moment „nur“ die Erkenntnis, dass wir sehr viel mehr Signale aussenden als wir bewusst wahrnehmen. Es zeigt aber auch, dass unsere Ausdrucksfähigkeit genauso wie unsere Ausdrucksnotwendigkeit beschränkt sind. Unsere Sprache hat eine Grenze. Genau so wie unsere Wahrnehmung. Watzlawick zeigt uns also, dass wir mehr sagen als wir sagen. Und dass unsere Wahrnehmungen geprägt sind von den Umfeldern, in denen wir agieren und dass wir die Wahrnehmung nur erweitern können, wenn wir uns außerhalb der gegebenen Bereiche bewegen.

Damit kann ich mich dann wiederum sehr gut anfreunden. Sprachlichen Horizont erweitern. Und damit den der Wahrnehmung. Wir können unsere eigene Welt nur dann zu etwas Besserem verändern und offen sein für anderes, wenn wir Veränderungen erkennen und zulassen. Und das ist einfacher als man denkt. Es reicht die einfache Frage…..

„Auf der Straße braucht man keine Grammatik“

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Folgender Link erreichte mich heute per Mail (danke an Torsten):

http://www.tagesschau.de/inland/kiezdeutsch100.html

Den Titel des heutigen Eintrags hier habe ich aus dem Beitrag, ein Zitat von einem der Kiezdeutschsprechern. Ich finde das eine starke Aussage, die so ziemlich den Kern von Diskussionen über Sprachverfall, den (schlechten) Einfluss von zugewanderten Sprachen und altdichterische Rhetorikwundertüten trifft. Wer das heutige Straßendeutsch (nicht nur in Mannheim) mit Goethe und Schiller vergleicht und sich auf deren Geniusposition beruft, der vergleicht Unvergleichbares miteinander. Denn Faust, Die Räuber, Emilia Galotti, all die Balladen, Gedichte, etc. pp sind geschriebene Sprachzeugen, keine gesprochenen. Unser Straßendeutsch, also das gesprochene Deutsch hingegen hat ganz andere Voraussetzungen. Es muss schneller, kürzer, direkter sein, denn unser Arbeitsspeicher im Kopf kann eh nicht mehr als 4 Sekunden Information speichern. Alles darüber hinaus wird aus der Erinnerung abgerufen. Und Erinnerungsarbeit ist anstrengend und fehlerhaft. Es ist also überhaupt nicht sinnvoll zu sagen: „Mein lieber Freund, ich möchte mir dir sehr gerne ins Kino gehen, wie wäre das? – Oh, das wäre sehr schön, danke!“ Viel pragmatischer und wirkungsvoller ist die Version:“ Heute Kino? – Voll!“

Es ist eine andere Sprachversion als die literarischen Schriften in unseren wohlgeformten Büchern. De facto erkennen wir an den Büchern aber nicht mit voller Sicherheit, wie Goethe und Co. gesprochen haben. Alles Gerede in den Büchern ist noch immer rhetorisch, literarisch überarbeitet.

Kudiwg Eichinger sagt es in dem Beitrag sehr diplomatisch: Die Kreativität des Gesprochenen, des Straßendeutsch, ist ein wichtiger Bestandteil sprachlichen Fortschritts. Nur durch diese Einflüsse kann Sprache sich den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Das muss sie auch, da wir als Teil sozialer Gefüge darauf angewiesen sind, uns präzise zu verständigen. Kiezdeutsch, Türkenslang und ähnliche Sprachentwicklungen zeigen ganz klar, wo Defizite sind. Wenn es keine vernünftige Integration gibt und wir die Verantwortung dafür immer dem anderen in die Schuhe schieben, dann setzen die Betroffenen es kreativ um, indem sie eine eigene Sprache entstehen lassen, mit der sie in eine Art Zwischenwelt eintauchen. Der Ausdruck ihrer von oben zugeschriebenen Position.

Deswegen sollte man nicht über die Sprachvariation fluchen, sondern sich fragen, woher sie kommt, welche gesellschaftlichen Ursachen sie hat und was das über uns als „Integrationsland“ aussagt. Lieber an die eigene Nase fassen als mit dem Finger auf andere zeigen.

Auf der Straße braucht man keine Grammatik. Da braucht man einen Weg der Verständigung.

*hauptwort bei et voilà: Interview und Fotos

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Die et voilà-Menschen haben es geschafft, sie haben amelie hauptstock von *hauptwort interviewt. Das Ergebnis findet sich hier:

http://www.et-voila.de/dies-das/interview-mit-amelie-hauptstock

Herzlichen Dank an Jan, der die Fragen gestellt hat und die Bilder hinzugefügt hat!

Am 25.12. standen die Texte an den Fensterscheiben, großflächig, des Daddy Blatzheim im Westfalenpark. Ein schöner Abend, oder besser eine geliebschaftete Nacht wars gewesen!  Und es sah ganz wunderbar aus: Weiße Schrift vor nachtschwarzem Himmel, feiernde Liebhaber und Geliebte…le seufz, ein berauschtes Weihnachstsfeiern!

Bilder gibt es hier: http://www.et-voila.de/fotos/25-12-11-liebschaften

Revival!

Veröffentlicht am 16. Juli 2012 Kommentare deaktiviert für Revival!

ANNA kommen wieder! Zwar erst im September, aber sie kommen wieder! Und diesmal haben sie ein Pony im Gepäck und neue Uhugeschichten parat. Wie schön!

Weitere Neuigkeiten gibt es hier, an dieser Stelle, ab jetzt regelmäßig. Denn neue freiluftlyrik wartet auf ihre Beplatzung. Und Ernst&Aber setzen sich auch wieder zusammen zum Pläneaushecken.

So viele schöne Nachrichten, da vergisst man den wetterlich unschönen Sommer!

hauptwort endlich online!

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Hurra! Welt: *hauptwort ist jetzt offiziell online! Stöbern, Umsehen, Weitersagen ausdrücklich erwünscht!